Gastkommentar: Südsudan: Blutige Machtkämpfe

Von Berthold Pelster

Groß waren die Hoffnungen, als am 9. Juli 2011 – nach Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen im Sudan – der Südsudan seine Unabhängigkeit erlangte. Endlich konnte der christlich geprägte Süden seine Geschicke selbst in die Hand nehmen. Die Zeit der Unterdrückung durch den muslimischen Norden war vorbei. Leider währte der Optimismus nicht lange. Nur zwei Jahre später brach ein blutiger Machtkampf zwischen Staatspräsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar und ihren jeweiligen Volksgruppen, den Dinka und Nuer, aus.

Heute herrscht Krieg im Südsudan. Im Zentrum des Konflikts steht die Kontrolle über die Erdölfelder im Norden. Es geht um Geld, Macht und Bereicherung. Verschärft werden die Spannungen durch Stammesrivalitäten.

Der Krieg wird skrupellos und brutal geführt, auch gegen die Zivilbevölkerung. Rund vierzig Milizen verbreiten Angst und Schrecken. Junge Männer und sogar Kinder werden zwangsrekrutiert. Häuser werden geplündert und in Brand gesteckt. Frauen werden misshandelt und vergewaltigt. Felder und Äcker liegen brach, Millionen Menschen leiden Hunger.

Durch die Kämpfe wurden bereits 50 000 Menschen getötet, drei Millionen Menschen sind geflüchtet, manche sogar in den Sudan, von dem sich das Land mit großer Euphorie getrennt hatte. Egoismus und brutale Rücksichtslosigkeit haben die Oberhand gewonnen in einem Land, in dem sich drei Viertel aller Einwohner als Christen bezeichnen. Fast die einzige Institution, die sich in diesem Chaos für Frieden und Versöhnung einsetzt, ist die katholische Kirche. Unerschütterlich wirbt sie für den Gedanken der stammesübergreifenden Verbundenheit der Menschen: in der Nation und in der Kirche. Gerade dort sollen sich alle Menschen als Brüder und Schwestern vor dem einen Gott verstehen lernen.

Die Christianisierung eines Landes ist eine hohe Kulturleistung, die viel Zeit erfordert, manchmal Jahrhunderte. Aber sie ist allen Einsatz wert und muss beharrlich, geduldig, ohne Scheu vor Rückschlägen vorangetrieben werden, zum Wohl der Menschen und zur größeren Ehre Gottes. Jesus selbst hat uns diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen. Lassen wir uns also nicht entmutigen von schlimmen Nachrichten auch aus christlichen Ländern, sondern tun wir alles, um die katholische Kirche im Südsudan zu unterstützen.

Der Autor ist Menschenrechtsexperte beim Hilfswerk „Kirche in Not“ in München.