Gastkommentar: Stoppt Zulassung von Gen-Mais!

Von Christoph Then

Nachdem Forscher aus Bremen und Bonn die aktuellen Daten zur Ausbreitung von Maispollen über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet haben, sind die Risiken des Anbaus von Gentechnik-Mais wieder in der Diskussion. Ihre Veröffentlichung ist die bisher umfassendste Studie über die Verbreitung von Maispollen in der Umwelt. Die neue Studie zeigt, dass der Pollen oftmals mehrere Kilometer weit fliegt.

Eigentlich sollte der Mais 1507 im März 2015 als zweiter Gentechnik-Mais in der EU für den Anbau zugelassen werden. Er produziert ebenso wie der Mais MON810, der in Spanien bereits angebaut wird, ein Insektengift, das ihn vor Raupen von Schädlingen schützen soll. Dieses Toxin ist jedoch auch für die Raupen von geschützten Schmetterlingsarten giftig. Um diese Arten zu schützen, sieht die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA beim Anbau von Gentechnik-Mais Sicherheitsabstände von Naturschutzgebieten von nur 20 bis 30 Metern vor. Dagegen empfehlen die Wissenschaftler aus Deutschland Abstände in der Größenordnung von Kilometern. Jetzt will die EFSA ihre Risikobewertung für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais bis Ende Mai 2015 erneut überprüfen. Doch mit neuen Sicherheitsabständen ist es kaum getan. Derzeit fehlen verlässliche und aussagekräftige Daten darüber, wie viel Insektengift in Pollen produziert wird, wie empfindlich die Raupen geschützter europäischer Schmetterlinge sind und welche Arten besonders durch die Verteilung von Pollen auf ihren Futterpflanzen gefährdet werden. Die Risikoabschätzung der EFSA beruht im Wesentlichen auf einem Computermodell. Dieses wurde aber nicht auf der Grundlage von empirischen Daten entwickelt, sondern beruht im Wesentlichen auf schlecht begründeten Annahmen – wie das Beispiel Pollenflug jetzt zeigt. Ohnehin stammen die meisten der verfügbaren Studien zu Mais 1507 von der Industrie. Und es fehlen schlichtweg ausreichende Untersuchungen zu Schmetterlingen, Bestäubern, Bodenorganismen, Wild- und Nutztieren. Auf der Grundlage der bisherigen Risikobewertung der EFSA kann der Mais 1507 insgesamt nicht als sicher gelten. Da die EU ein hohes Schutzniveau für Umwelt und Verbraucher vorschreibt und eine umfassende Risikoprüfung seitens der EFSA vorsieht, sind die Voraussetzungen für eine Zulassung nicht gegeben. Die EU- Kommission sollte daraus Konsequenzen ziehen und die Zulassung des Mais stoppen.

Der Autor ist Geschäftsführer von Testbiotech e.V. und ein Koordinator des internationalen Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut“