Gastkommentar: Solidarität mit Christen üben

Von Philipp Missfelder

Es war nur eine Randnotiz, die angesichts der Ereignisse in Japan und der Auseinandersetzungen in Libyen nahezu unbeachtet blieb: Weil er einer Muslimin eine Wohnung vermietete und ihm überdies eine Liebesbeziehung zu ihr unterstellt wurde, schnitten Ende März Salafiten in Ägypten einem koptischen Christen ein Ohr ab. Eine Bestrafung nach der islamischen Scharia, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker mitteilte. Der Vorfall ist nur ein Beispiel unter vielen. Bereits am 1. Januar fielen dem terroristischen Anschlag auf die koptische Gemeinde in Alexandria mehr als 20 Menschen zum Opfer – die feigen Morde erschütterten Gläubige in aller Welt. Nach dem Sturz Mubaraks ist die Sicherheitslage für Christen und andere Minderheiten am Nil nicht besser geworden. Und nicht nur dort: Laut dem jährlichen „Weltverfolgungsindex“ der Hilfsorganisation „Open Doors“ werden 100 Millionen Christen in 50 Staaten wegen ihrer Religion von Fanatikern ausgegrenzt, bedroht oder sogar ermordet. Mittlerweile ist das Christentum die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft.

Selbst im EU-Beitrittskandidatenland Türkei wird die christliche Minderheit noch immer stark bedrängt, der Bau von Kirchen ist nahezu unmöglich, die Priesterseminare bleiben geschlossen. Am schlimmsten ist die Situation im kommunistischen Nordkorea, wo Christen willkürlich verhaftet und Gottesdienste überwacht werden. Den Gläubigen drohen Gefängnis, Arbeitslager oder die Hinrichtung. Aber auch in Staaten wie dem Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien oder den Malediven werden Christen massiv bedrängt. Unsere Haltung ist eindeutig: Diese Menschenrechtsverletzungen und brutalen Verbrechen müssen von der internationalen Staatengemeinschaft geächtet werden. Die freie Ausübung des Glaubens ist ein in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankertes Grundrecht. Als Christen sind wir zur Solidarität mit unseren leidenden Schwestern und Brüdern verpflichtet. Es gilt daher, die universell geltende Religionsfreiheit zum Schwerpunkt deutscher und europäischer Menschenrechtspolitik zu machen. Sie muss in Institutionen wie den Vereinten Nationen oder gegen Bestrebungen innerhalb der Europäischen Union, den Glauben aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen, verteidigt werden. Und auch in Deutschland darf die sinnstiftende Botschaft Gottes, der in Jesus Christus Mensch wurde, nicht ausgeblendet werden – vielmehr ist seine Bindungskraft in unserer Gesellschaft mehr denn je gefragt.

Philipp Mißfelder MdB ist außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Mitglied des Präsidiums der CDU.