Gastkommentar: Nicht verdrängen lassen

In Dublin ruft „The Irish Catholic“ die Katholiken zum Einsatz in der Politik auf:

Wir dürfen nicht zulassen, dass schrille Stimmen, auch in Politik und Medizin, die Katholiken aus der politischen Arena verdrängen. Eine Republik muss ein pluralistischer Ort sein, an dem Menschen mit allen Werten sich respektiert fühlen – kein Gefrierschrank, wo nur jene willkommen sind, die Ansichten haben, die von einigen wenigen als akzeptabel erachtet werden.

Fette Beute korrupter Politik

„SIAME“, das Nachrichtenportal des Erzbistums Mexiko, kommentiert mit Besorgnis die Regionalwahlen im Land:

Mit Sorge haben wir die korrupten Wahlvorgänge in mehreren Bundesstaaten beobachtet, begonnen bei einem höchst beunruhigenden Element, das dann banalisiert wurde: der Gewalt. Zwei Kandidaten wurden ermordet, andere eingeschüchtert, staatliche Vertreter baten um Militärschutz. Anlass zur Sorge gibt auch die unmoralische Handhabung staatlicher Sozialprogramme nach dem Klientelprinzip, das Elend, Unbildung und die Not der Ärmsten ausnutzt – die fette Beute der politischen Schicht. Die große Wahlenthaltung ist ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass die Gesellschaft die Parteien satt hat, die nicht für das Gemeinwohl des Volkes kämpfen, sondern für den Aufstieg ihrer Kandidaten als Garanten der Korruption, die ihren Interessen zugutekommt und das nationale politische System erstickt.

Modernität durch Diktat?

Die „Times of India“ (Mumbai) betrachtet ein geplantes Verbot von Veranstaltungen wegen des Kastensystems mit Skepsis:

Es erinnert sehr an die „Modernität durch Diktat“ in islamischen Staaten. Atatürk löste das Kalifat auf und verbot den Fez; der Schah verbot die Burka und führte Pariser Mode ein; heute versuchen die ägyptische Armee und ihre Unterstützer, die Muslimbrüder auszubooten. Aber ebenso wie die Kommunisten Religion und Familie nie beseitigen konnten, ist es unwahrscheinlich, dass unsere Modernisierer in der Lage sein werden, den Gang sozialer Gerechtigkeit zu regulieren. Eine Gesellschaft besteht aus Argumenten, Träumen, Nachahmung, Halbwissen und auch Bigotterie. Die Demokratie muss diese Komplexität widerspiegeln. Die Über-Tugendhaften erweisen sich am Ende immer als intolerante Fanatiker.

Emigrantensohn bei Emigranten

Zum Papstbesuch auf Lampedusa schreibt der „Corriere della Sera“:

Erst ein Papst, der Sohn italienischer Emigranten in Argentinien ist – auf dieser Route sind die „Utopia“, die „Sirio“, die „Principessa Mafalda“ und andere Dampfer voller Italiener gesunken –, konnte Italien und die ganze westliche Welt aus der täglichen Gleichgültigkeit aufrütteln. Sicher, auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. („Wenn man Heimatlose und Flüchtende abweist, wird dann nicht Gott selbst von uns abgewiesen?“) hatten es versucht. Das Bild von Franziskus neben einem Kreuz aus dem Holz der Immigrantenboote hat jedoch einen enormen Eindruck hinterlassen.