Gastkommentar: Menschenrecht auf Trinkwasser

Von Barbara Brustlein

Unicef: Kindersterblichkeit seit 1990 weltweit fast halbiert
ARCHIV - Ein Handoutfoto des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes zeigt ein Kind, das am 03.08.2011 einen Wassercontainer in Kenia hinter sich herzieht. Die Zahl der Todesfälle von Kindern hat sich in den vergangenen 20 Jahren weltweit fast halbiert. Starben 199... Foto: Ken Oloo/red Cross And Red Cresc (RED CROSS AND RED CRESCENT SOC.)

Wie sehr Wasser Grundlage allen Lebens ist, zeigt sich derzeit drastisch in Ostafrika. Seit Monaten hat es kaum ein paar Tropfen geregnet. Das Vieh verendet auf den Feldern. Millionen Menschen hungern. Aber obwohl sich vor den Augen der Welt eine unerträgliche Katastrophe abspielt, bleibt es still. Die Menschlichkeit der Welt, hat Bundespräsident a.D. Horst Köhler einmal formuliert, entscheidet sich am Schicksal Afrikas. Es scheint derzeit schlecht um sie bestellt. Wo sauberes Wasser fehlt, kann der Mensch nicht leben. In seiner Umweltenzyklika„Laudato si“ hebt Papst Franziskus die Bedeutung des Wassers für die Menschheit hervor. Er betont, dass die Welt angesichts von Wasserverschmutzung und Verschwendung schwere Schuld auf sich lädt. Gerade die reichen Länder des Nordens entlässt der südamerikanische Papst nicht aus der Verantwortung dafür, dass nach wie vor zahllose Menschen durch verschmutztes Wasser erkranken und Kinder dadurch sterben. Viel zu eng sind die wirtschaftlichen Interessensverflechtungen in unserer globalisierten Welt, viel zu stark die Gier nach Rohstoffen und maximalen Gewinnen. Und viel zu oft werden sie auf Kosten der armen Länder und der Umwelt ausgetragen.

Zur Dürrekatastrophe kommen die Flüchtlingsströme: Wer kann, verlässt den konfliktbeladenen Südsudan. Aus dem Ostkongo fliehen Menschen. Burundi kommt nicht zur Ruhe. Die Einwohner Somalias suchen Zuflucht in den Nachbarländern. Länder wie Kenia, Äthiopien und Uganda sind an der Grenze ihrer Aufnahmekapazitäten. Nicht nur der Regen fehlt, auch die Infrastruktur der Wasserversorgung. Der freie Zugang zu Trinkwasser ist längst nicht überall gewährleistet. Aber er ist ein Menschenrecht. Dennoch sterben jährlich immer noch Hunderttausende an verunreinigtem Wasser.

In vielen Gegenden Afrikas, Asiens und Ozeaniens fehlt es an Geld und technologischem Wissen, um Trinkwasserversorgungssysteme zu errichten. Neben Überlebensnothilfe braucht es mittel- und langfristige Investitionen in eine bessere Wasserinfrastruktur. Dazu wird die Weltgemeinschaft ihre Kräfte bündeln müssen. missio München setzt sich dafür ein: Seit dem Jahr 2011 stellte das internationale Hilfswerk mehr als 440 000 Euro zur Verfügung, um vor Ort den Bau von Brunnen und Trinkwasserversorgungsanlagen in Ländern wie Burkina Faso, Kenia, Tansania, Sambia oder Indien zu realisieren und instandzuhalten.

Die Autorin leitet die Kommunikation des Internationalen Katholischen Missionswerks missio München und ist Chefredakteurin des missio magazins.