Washington

Gastkommentar: Kommen Sie, Herr Präsident

Trump beim March for Life
US-Präsident Donald Trump spricht beim March for Life in Washington. Trump war der erste US-Präsident überhaupt, der bei der traditionellen Kundgebung von Abtreibungsgegnern in Washington auftrat. Foto: Patrick Semansky (AP)

Natürlich war es Teil des Wahlkampfs. Vielleicht denkt Präsident Trump auch nicht ganz so lebensrechtlich, wie manche meinen. Aber er war da – beim March for Life in Washington. Soweit ich weiß, hat das in Europa bisher kein Staatsoberhaupt gewagt; dem stehen zum Beispiel eine belehrende Presse und aggressive Gruppierungen entgegen, die alles hassen, was die Lebensrechtsbewegung verkörpert.

In Deutschland kaum vorstellbar

Pawlowsche Reflexe erwarten den, der öffentlich verkündet, dass jedes Leben von der Zeugung an heilig, ein Geschenk Gottes ist: Empörung der Verfechter der weiblichen Selbstbestimmung (die ihre Rechte über die Grundrechte von Kindern stellen), Fassungslosigkeit der Kampfatheisten (die trotz aller Scheintoleranz ihre Meinung über alles stellen), Shitstorm der Gleichgültigen (die stets der Gefahr ausgesetzt sind, sich mangels eigener Werte jeder Indoktrination und Diktatur unterzuordnen).

Man stelle sich vor, ein deutsches Staatsoberhaupt würde am 19. September beim Marsch für das Leben in Berlin eine wegweisende Rede halten: über ein umfassendes Konzept von Menschenrechten, das nicht ideologisch geprägt ist und keine Gruppe von Menschen ausschließt. In dem jeder Mensch denselben Wert als Person hat. Als unabdingbare Wertegrundlage für einen Rechtsstaat. Mit der Folge, dass unter anderem folgendes unbedingt zu vermeiden ist: Bürgerkrieg, Embryonenforschung, Gewalt und Verrohung, Präimplantationsdiagnostik, psychische und physische Bedrohung, pränataler Bluttest, Diffamierung Andersdenkender, Abtreibung, assistierter Suizid.

"Irgendwann werden wir auch ein
mutiges Staatsoberhaupt begrüßen können"

Panik bräche unter denen aus, die damit Geld verdienen, Ideologie betreiben oder beides. Dem Staat, der Gesellschaft und vor allem den Menschen würde es ausschließlich nützen. Es gibt mutige Bürger, Politiker, Bischöfe. Irgendwann werden wir auch ein mutiges Staatsoberhaupt begrüßen können.

Die Autorin ist seit 2017 Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht

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