Augsburg

Gastkommentar: Keine Allerweltspartei werden

Eine Volkspartei, wenn sie es bleiben will, muss für eine klare politische Richtung stehen und ein unverwechselbares Profil haben.

Wie die Union zukunftsfähig bleibt
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet vor Beginn der Klausurtagung des CDU-Bundesvorstands. Foto: Michael Kappeler (dpa)

Mit seinem Aufruf an die CSU erweist sich der neue Bischof von Augsburg als ein gewiefter Parteitaktiker. Natürlich ist es der Anspruch einer Volkspartei, wie der CSU, nicht nur die eigenen Stammwähler zu bedienen, sondern auch neue Wählerschichten zu gewinnen. Dies gilt sicher auch in Richtung der Muslime, die ja inzwischen 5 bis 6  Prozent der Bevölkerung in Deutschland zählen. Ein Weg zu dieser Wählerschicht mag sicher auch die Kandidatur von Muslimen auf den Listen der Parteis ein.

Klare politische Richtung gefragt

Es geht aber nicht nur um die Macht. Eine Volkspartei, wenn sie es bleiben will, muss zuerst für eine klare politische Richtung stehen, ein unverwechselbares Profil haben. Dies muss in ihrer Gesamterscheinung, vom Europaparlament bis zum Gemeinderat und Bürgermeistersessel, von der Parteispitze bis zu jedem Ortsverband erkennbar sein.

Das gilt insbesondere für die jeweiligen Mandatsträger, die in erster Linie die Partei repräsentieren und das Erscheinungsbild bestimmen. Die Unionsparteien haben dies immer begriffen und sind deshalb in all den zurückliegenden Jahrzehnten Volkspartei geblieben. Das Profil der Union wird nicht allein, aber doch entscheidend, von ihrem Alleinstellungsmerkmal, dem „C“ geprägt.

Der Verantwortung gegenüber dem "C" gerecht werden

Diese Richtungsbestimmung ist der Partei von ihren Gründern aufgetragen. Daran haben die Unionsparteien immer festgehalten. Dies ist mit ein Grund dafür, dass die Union von 1945 bis heute einen solch entscheidenden Beitrag für das Wohl des Landes erbringen konnte. Ein Muslim in dieser Partei, der z. B. für das Amt eines Bürgermeisters kandidiert, muss sich fragen, ob er dieser Verantwortung gegenüber dem „C“ gerecht werden kann. Die CSU darf keine Allerweltspartei werden und letztlich für gar nichts mehr stehen. Alles ist in dieser Volkspartei eben gerade nicht möglich und das ist gut so.

Der Autor gehörte von 1987 bis 2013 dem Deutschen Bundestag als direkt gewählter Abgeordneter der CSU an.  Von 1972 bis 2007 war er Vorsitzender der CSU Aschaffenburg

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