Gastkommentar: Johannes Paul II.: Welch ein Vorbild

Von Johannes Singhammer

Johannes Paul II. Foto: dpa
Johannes Paul II. Foto: dpa

Die Welt schaut nächsten Sonntag nach Rom. Millionen Menschen werden zwischen den Kolonnaden auf dem Petersplatz die Heiligsprechung zweier großer Päpste miterleben: Papst Johannes Paul II. kommt dabei für uns Deutsche eine ganz besondere Bedeutung zu. Er hat in historischer Einmaligkeit der Deutschen Einheit den Weg geebnet. Seiner Beharrlichkeit und seiner Zugewandtheit ist es zu verdanken, dass wir in diesem Jahr auch den 25. Jahrestag des Mauerfalls feiern. Es wird ein guter Tag sein, für alle Menschen, die sich nach echten Vorbildern sehnen. Natürlich wird es auch Spötter geben, die von einem Schauspiel sprechen, von Anachronismus und Weltabgewandtheit. Das Gegenteil ist der Fall. Die Kanonisation ist ein Akt des Zugewandtseins, denn durch die Heiligsprechung werden aus Vorbildern Fürsprecher. Menschen fällt es oft leichter, einen Fürsprecher bei Gott zu haben, den sie selbst gekannt haben, der ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit besitzt. Deswegen ist die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. ein wichtiges Zeichen.

Ich selbst hatte die Ehre, dem Papst mehrfach begegnen zu dürfen. Für mich bedeutet die Heiligsprechung dieses großen Mannes vor allem: Respekt vor der Weisheit, Menschlichkeit und des Mutes eines Pontifex, der zu Zeiten des Kalten Krieges klare Worte fand. Der eine maßgebliche Rolle bei der Demokratisierung seines Heimatlandes Polen spielte. Dem die deutsch-polnische Aussöhnung am Herzen lag. Der ein Attentat schwerverletzt überlebte und dem Attentäter verzieh. Der trotz hohen Alters und Krankheit die Öffentlichkeit nicht scheute, sondern teilhaben ließ an seiner schwachen, menschlichen Seite. Und der junge Menschen für den Glauben begeisterte. Ihm haben wir die eindrucksvollen Weltjugendtage zu verdanken. Bei einem Besuch des Kardinal-Höffner-Kreises gab er uns Folgendes mit auf den Weg: „Ihre Verfassungstradition von 1919 und die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg spricht gegen ein Verständnis von religiös-weltanschaulicher Neutralität im Sinne einer negativen Distanzierung des Staates vom Religiösen“, und weiter: „Der Zusammenbruch totalitärer Systeme in Europa erfordert eine gründliche Erneuerung der politischen Handlungsweisen. Ihnen kommt es in Ihrer Stellung zu, mitzuhelfen, dass Europa seine Wurzeln wiederfindet und nach dem Maßstab seiner Ideale und seines Edelmutes seine Zukunft aufbaut.“

Wenn die Welt nach Rom schaut, werden Bilder zu sehen sein, die Mut machen, die Freude bereiten und zeigen, dass es Menschen gibt, die über sich selbst hinauswachsen, um anderen zu helfen. Dass ein starker Glaube Berge versetzen kann, und dass wir alle echte Vorbilder brauchen, Menschen, die uneigennützig ihren Dienst am Menschen wahnehmen.

Johannes Singhammer (CSU) ist Vizepräsident des Deutschen Bundestages und reist als offizieller Vertreter des Bundestages zur Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. nach Rom.