Gastkommentar: Impulse der Weltkirche

Von Professor Klaus Vellguth

Seit es Entwicklungspolitik gibt, wird regelmäßig diskutiert, ob sie sinnvoll ist, ihr Ziel erreicht oder nicht umgekehrt die Länder, die entwickelt werden sollen, gleichsam entmündigt werden und Entwicklungspolitik nur das Deckmäntelchen für Interessenspolitik ist. Diese Fragen sind abschließend wohl kaum zu entscheiden. Aber wie die Kirche ihre weltkirchliche Arbeit versteht, kann Denkanstöße dafür geben, weshalb sich der Westen von der Aufgabe der Entwicklungspolitik nicht suspendieren sollte.

Weltkirchliche Arbeit als Entwicklungspolitik ist zuerst Friedenspolitik. Ob es sich um interreligiösen Dialog, um Fragen der Abrüstung oder Waffenexporte oder dem Einsatz für Menschenrechte wie dem auf Religionsfreiheit handelt – auf diesem Feld weltkirchlichen Handelns sollen die Bedingungen für die Möglichkeit von Frieden geschaffen werden, ohne den nirgends in der Welt Entwicklung denkbar ist.

Weltkirchliche Arbeit als Entwicklungspolitik bedeutet Partnerschaft. Wenn beispielsweise das Internationale Katholische Missionswerk missio mit den Ortskirchen in Afrika, Asien und Ozeanien zusammenarbeitet, dann geschieht dies auf Augenhöhe – alle Ortskirchen sind gleichberechtigte Mitglieder der einen katholischen Weltkirche. Die Kooperation geschieht in gemeinsamer Absprache etwa im Bereich der Ausbildung und der Verbesserung ortskirchlicher Strukturen. Die dortigen Ortskirchen selbst aber entscheiden, welche Ausbildung und Strukturen sie brauchen und wie sie auf dieser Grundlage ihr kirchliches Leben und gesellschaftliches Engagement ausgestalten. Dabei geht Partnerschaft auch den umgekehrten Weg: Die Kirchen im Westen lernen zunehmend von Afrika, Asien und Ozeanien, wie Pastoral unter sich wandelnden Umständen erneuert werden kann, um hier nur ein Stichwort zu nennen: das Konzept der Kleinen Christlichen Gemeinschaften.

Und natürlich bedeutet weltkirchliche Arbeit spirituelle Solidarität. Ob ein Christ in Nigeria, in Deutschland oder Indien lebt – keiner kann ein gleichsam privilegiertes Verhältnis zu Christus und Gott beanspruchen. Alle stehen vor der gleichen Aufgabe: den Menschen in ihrer Heimat in Kontakt mit diesem Christus und Gott zu bringen. Das verbindet.

Friedenspolitik betreiben, Partnerschaft leben und Werte teilen – das macht weltkirchliche Arbeit aus. Wenn internationale oder staatliche Entwicklungspolitik diese drei Impulse für ihr jeweiliges Handlungsfeld ausbuchstabiert, dann bleibt sie eine sinnvolle Aufgabe.

Der Autor ist Leiter der Abteilung Theologische Grundlagen bei missio Aachen.