Gastkommentar: IKEA und Moral

Die SED-Propaganda verkündete mit der sozialistischen Moral die endgültige Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Von Dieter Dombrowski

Wirtschaft und Moral sind zwei Paar Schuhe. Die SED-Propaganda verkündete mit der sozialistischen Moral die endgültige Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Weit her war es damit freilich nicht.

Jahr für Jahr schufteten bis zu 30 000 Strafgefangene, darunter ein Drittel politische Häftlinge, unter unsäglichen Bedingungen für 30 Ostmark monatlich am „Aufbau des Sozialismus“. In der westlichen Welt war dies bekannt. Doch der ansonsten als Hort der Unfreiheit geschmähte Osten konnte mit einem unschlagbaren Argument aufwarten. Vieles konnte man in der DDR so billig einkaufen wie nirgends auf der Welt. Zu den Käufern gehörte auch IKEA, jener schwedische Konzern, der sich selbst als familienfreundlich pries. Dank der billigen Arbeit von Häftlingen in Naumburg und Waldheim fuhr der Konzern satte Gewinne ein. Das Erwachen kam spät, aber es kam. Im Jahr 2012 musste IKEA bekennen, von Zwangsarbeit profitiert zu haben. Da zeigte sich, dass Wirtschaft und Moral eben doch zusammenkommen können. Der Gründer von IKEA, der vor einigen Tagen verstorbene Ingvar Kamprad, wies seine Deutschland-Vertretung an, alle Häftlinge um Verzeihung zu bitten. IKEA bezahlte eine umfangreiche Forschungsarbeit zur Zwangsarbeit und bot Gespräche über Hilfeleistungen für notleidende ehemalige Häftlinge an. Wieder gut machen kann man die zerstörten Leben von zehntausenden Häftlingen nicht mehr. Aber man kann sich zu seinen Verfehlungen bekennen. Man kann auch auf Zwangsarbeit bei den Zulieferern verzichten. Beides das hat IKEA getan.

Der Autor ist Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft und CDU-Abgeordneter sowie Vizepräsident des Brandenburger Landtages.