Gastkommentar: Familie schützen und fördern

Von Bischof Gerhard Feige

Als Bischof in Sachsen-Anhalt begrüße ich die neue Familien-Debatte der CDU-Landtagsfraktion. In ihr sehe ich auch einen wichtigen Beitrag, Artikel 24 unserer vor 20 Jahren in Kraft getretenen Landesverfassung neu in den Blick zu rücken. Immerhin heißt es dort: Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

Erstaunlicherweise haben Ehe und Familie – wie jüngere Studien belegen – für die meisten Menschen weiterhin einen hohen Stellenwert: als Hort der Sicherheit und des sozialen Rückhalts, aber auch als emotionale Unterstützung in einer Welt voller Herausforderungen. Nach wie vor sind Ehe und Familie weder Fossil noch Auslaufmodell, sondern Orte, an denen man so gut wie nirgendwo lernen kann, menschlich zu leben: Liebe und Geborgenheit zu erfahren und Konflikte zu bewältigen. Nicht umsonst nennt man die Familie die älteste Selbsthilfegruppe der Welt.

Leider nimmt die Gesellschaft auf die Bedürfnisse der Familien aber wenig Rücksicht. Deshalb bleiben die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen aufgefordert und in der Pflicht, solche Rahmenbedingungen zu schaffen, die der Bedeutung und den Leistungen von Familien entsprechen. Dies heißt nicht nur, vorhandene strukturelle Rücksichtslosigkeiten aufzulösen, sondern auch, Wege seriöser Anreize und gezielter Förderung zu beschreiten. Vielleicht kann das auch junge Menschen wieder zu einem Nachdenken über Freiheit und Bindung, Beliebigkeit und Verantwortung anregen.

Darum sollte auf dem Hintergrund der sich in Sachsen-Anhalt zum Teil dramatischer als anderswo gestaltenden demografischen Entwicklung der Vorschlag eines Ehedarlehens durchaus ernsthaft diskutiert werden. Für positiv am Familienpapier der CDU-Landtagsfraktion halte ich ebenfalls, dass es sich zu den Angeboten der Eltern- und Familienbildung bekennt. Angesichts einer aktuellen Debatte in Sachsen-Anhalt um die Novellierung des Kinderförderungsgesetzes, durch die der Anspruch auf Ganztagsbetreuung in Kindertageseinrichtungen ausgeweitet werden soll, ist es wichtig, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu unterstützen und zu fördern.

Obwohl inzwischen auch andere Partnerschaften üblich geworden sind, darf der Staat weiterhin in der Verantwortung gesehen werden, die Lebensform der Ehe und der hierauf gegründeten Familie zu privilegieren. Dabei gilt es, sich nicht nur dazu zu bekennen, sondern auch, etwas konkret zu unternehmen.

Der Autor ist Bischof der Diözese Magdeburg.