Gastkommentar : Entlarvender Beschluss

Wer ein Problem damit hat, ein Baby auf dem OP-Tisch zu töten, weil es partout nicht von allein sterben will, ist antifeministisch. Von Fabiola Kaminski

„Pathetische Rhetorik“ – so bezeichnete Sabrina Simmons die Ausführungen ihrer beiden Vorrednerinnen beim Bundeskongress der Jungsozialisten (Jusos), der Jugendorganisation der SPD. Bei dem Kongress beschlossen die Delegierten einen Antrag, der sich für die Legalisierung von Abtreibungen bis zum Ende der Schwangerschaft ausspricht. „Pathetisch“ in Simmons' Augen deshalb, weil die beiden Vorrednerinnen – eine von ihnen Medizinstudentin – versucht hatten, den Delegierten vor Augen zu führen, was passiert, wenn man Abtreibungen bis zum Ende der Schwangerschaft erlaubt: „Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass eine Spätabtreibung manchmal zu einer frühen Geburt wird. Und was ihr euch vielleicht auch vorstellen könnt: dass das Kind dann auf dem OP-Tisch nicht mehr sterben will. Wenn das Kind, das ich eigentlich als Ärztin abtreiben sollte, auf dem OP-Tisch anfängt zu stöhnen.“ Das brachte Sabrina Simmons auf die Palme. Bei der sexuellen Selbstbestimmung der Frau, so ihre Antwort, dürfe es kein „Ja – aber“ geben. Feminismus müsse ernst genommen werden. Die Jusos müssten für die Lebenden einstehen, für die Frauen, und nicht für „irgendwelche Ungeborenen“. Menschenrechte würden erst einmal für die Frau gelten, und dann „für alles andere“, so Simmons weiter. Johlender Applaus. Es ist also „pathetische Rhetorik“, wenn eine Medizinstudentin den Anwesenden deutlich macht, welche Konsequenzen ihr Antrag für sie ganz persönlich haben wird? Nämlich, dass sie dann gezwungen ist, das Kind auf dem OP-Tisch, das wimmernd vor ihr liegt, zu töten. Menschenrechte gelten also erst einmal für Frauen. Ungeborene haben keine Menschenrechte, ungeborene Jungen bekommen vermutlich nie welche. Wer ein Problem damit hat, ein Baby auf dem OP-Tisch zu töten, weil es partout nicht von allein sterben will, ist antifeministisch. Was sagt uns das über die Jusos? Sie wissen nicht nur nicht, was ein Mensch ist. Sie wissen auch nicht, was Menschlichkeit bedeutet.

Die Autorin ist Mitglied im Vorstand der „Jugend für das Leben“.