Gastkommentar: Direkte Hilfe für verfolgte Christen

Von Markus Rode

Flüchtlinge in Ungarn laufen in Richtung Grenze
Hunderte Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afrika laufen am 04.09.2015 bei Budapest (Ungarn) über eine Autobahn in Richtung der Grenze zu Österreich. Die Menschen hatten tagelang am Bahnhof in Budapest auf die Weiterreise nach Deutschland gewartet. Bei Temperaturen über dreißi... Foto: Boris Roessler (dpa)
Flüchtlinge in Ungarn laufen in Richtung Grenze
Hunderte Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afrika laufen am 04.09.2015 bei Budapest (Ungarn) über eine Autobahn in Ri... Foto: Boris Roessler (dpa)

Von der Kirche in Mesopotamien verbreitete sich das Evangelium vor etwa 2 000 Jahren in alle Himmelsrichtungen. Genau dort, auf dem Gebiet des heutigen Irak und Syrien, droht gerade der Rest der ,Kirche des Ostens‘ vor den Augen der Welt ausgelöscht zu werden. Der Westen hat dies zwar thematisiert, wenn etwa die Gräueltaten des IS gegen Christen und Jesiden angeprangert wurden oder im Bundestag der Ermordung und Vertreibung von hunderttausenden mehrheitlich christlichen Armeniern sowie assyrischen und osmanischen Christen vor 100 Jahren gedacht wurde. Doch leider stoßen die zahlreichen Hilferufe der bedrängten christlichen Kirche im Nahen Osten bis heute bei den westlichen Staaten zumeist auf taube Ohren. So musste der Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche des Irak, Louis Raphael I. Sako, bei einer Tagung am 25. September in Salzburg erneut appellieren, besonders den Christen zu helfen: „Die Sunniten in der Region bekommen Hilfe von Saudi-Arabien oder Katar, die Schiiten vom Iran, die Christen von niemandem.“

Damit die Hilfe bei den bedrängten Christen ankommt, muss sie direkt an die Betroffenen erfolgen, und eben nicht nur über die UN. In den UN-Flüchtlingslagern sind kaum Christen zu finden, weil sie dort erneut Verfolgung erleben, statt Hilfe zu erfahren. Ist das der Weltgemeinschaft entgangen? Ausgerechnet das vielgescholtene Ungarn hat die Unterstützung der Christen im Irak jüngst zu einer Staatsaufgabe gemacht und hilft Christen gezielt vor Ort, ihre zerstörte Existenz erneut aufzubauen. Scheuen sich westliche Regierungen von Ländern mit christlichen Wurzeln davor, der christlichen Minderheit unmittelbar zu helfen? Vielleicht aus Angst, die muslimische Mehrheitsbevölkerung gegen sich aufzubringen? Muss denn nicht gerade der Westen darauf bestehen, dass den Schwachen ein besonderer Schutzstatus gewährt wird? Oder werden wir vielleicht in zehn Jahren eine Gedenkstunde im deutschen Bundestag anlässlich der vollständigen Vertreibung der christlichen Kirche aus dem Irak und Syrien haben?

Gott sei Dank beziehen die Christen ihre wahre Hoffnung nicht von Menschen, sondern von ihrem Glauben an Christus: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, die zukünftige suchen wir“, heißt es in Hebräer 13,14. Jetzt aber benötigen sie einen sicheren Ort, wo sie leben können. Mögen ihnen hierbei doch wenigstens ihre Glaubensgeschwister aus dem Westen zur Seite stehen.

Der Autor ist Leiter des christlichen Hilfswerks Open Doors.