Gastkommentar: Christen und die Politik

Von Uwe Heimowski

Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft, in der jeder Bürger die Möglichkeit hat, sich aktiv zu beteiligen. Auch Christen. Jesus Christus beschreibt die christliche Gemeinde als „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“. Daraus erwächst eine Verantwortung, die gerade dann nicht in Rückzug bestehen kann, wenn christliche Positionen zu bestimmten Zeiten nicht mehrheitsfähig sind. Vielmehr gilt es, das Gemeinwesen mitzugestalten (vgl. 1. Mose 1,27–28) und Menschen Gutes zu tun (1. Petrus 2,15; 3,17).

Im demokratischen Staat sind Christen aufgerufen, der „Demokratie zu geben, was der Demokratie ist“. Das bedeutet auch, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Weil Christen den Staat als von Gott gesetzte Ordnung und menschliche Einrichtung zugleich verstehen, wird er von ihnen unterstützt (Matthäus 22,15–22; 1. Petrus 2,17), gefördert und kritisch begleitet (Römer 13,1; Titus 3,1). Christen werben – und streiten – für ihre Werte, respektieren aber die auf rechtsstaatlicher Grundlage gefassten Mehrheitsentscheidungen der Demokratie.

Zu den vornehmsten Aufgaben der Christen gehört das Gebet für die Obrigkeit (1. Timotheus 2,1–2). Gebet, davon sind Christen überzeugt, bewegt den Arm Gottes. Wir beten, dass Gott verantwortungsvolle Menschen beruft und zu ihrer Aufgabe befähigt.

Um sich ein Bild zu machen von den Männern und Frauen, die als Kandidaten zur Bundestagswahl antreten, sollten Christen die persönliche Begegnung suchen. Wahlprogramme bieten nur grobe Orientierungspunkte. Persönliche Gespräche geben darüber hinaus einen Eindruck von der persönlichen Integrität und dem Wertefundament der Kandidaten.

Gebet bewegt übrigens auch die Beter selbst. In einer Zeit, die geprägt ist von „angry politics“ (Stichwort: „Wutbürger“) und Verunglimpfungen, etwa in den sozialen Netzwerken, beten Christen für Politiker aller Parteien. Sie begegnen auch den Menschen mit Wohlwollen, deren politische Positionen sie nicht teilen. Jesus hat deutlich gemacht, dass Christen auch ihre „Feinde“ lieben sollen (Matthäus 5,44), um wieviel mehr den „politischen Gegner“. Aus diesem Gebet kann eine „Kultur der Wertschätzung“ entstehen, die wir in unserem Land und in unserer Zeit dringend brauchen.

Der Autor ist politischer Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA).