Gastkommentar: Auf Qualität kommt es an

Von Jörg Maywald

Etwa jedes dritte Kind unter drei Jahren besucht derzeit eine Krippe oder Kindertagespflegestelle, Tendenz steigend. Demnächst werden mehr als zwei Drittel der zweijährigen und rund die Hälfte aller einjährigen Kinder regelmäßig außerhalb ihres Elternhauses betreut werden. Die meisten Eltern begrüßen den frühen Kita-Besuch. Die Wirtschaft fordert ihn geradezu ein. Von der Politik wurde er vor einem Jahr – am 1. August 2013 – mit einem Rechtsanspruch auf frühe Förderung untermauert. So weit, so gut.

Bei aller Freude über den Ausbau der Plätze gerät allerdings häufig aus dem Blick, dass Kinderkrippen nicht Einrichtungen für Erwachsene, sondern Orte für sehr junge und daher vor allem seelisch besonders empfindliche Kinder sind. Dass dies nur funktionieren kann, wenn die Qualität stimmt, leuchtet sofort ein. Genau darum aber ist es in Deutschland wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge zumeist nur mittelmäßig bestellt. Zu große Gruppen, zu viele Kinder je pädagogischer Fachkraft und eine unzureichende Ausbildung eines großen Teils des Personals, lautet die Diagnose.

Bei Kindern dürfen wir uns mit Mittelmaß nicht begnügen. Denn klar ist: Betreuungsplätze, die wissenschaftlich gesicherten Anforderungen an Qualität nicht genügen, stellen für die Kinder mittel- und langfristig ein Entwicklungsrisiko dar. Auf den ersten Schritt – den massiven Ausbau der Plätze – muss daher jetzt dringend der zweite folgen. Wir brauchen ein Bundesqualitätsgesetz, um flächendeckend gute Qualität sicherzustellen. Es kann doch nicht sein, dass ein Land, das beim Autobau Spitze ist, sich verstecken muss, wenn es um die Qualität der Einrichtungen für die Jüngsten geht.

Klar ist, dass die zumeist finanziell klammen Kommunen eine solche Anstrengung allein nicht stemmen können. Hier ist der Bund gefordert. Wer einen bundesweiten Rechtsanspruch einführt, muss auch dafür sorgen, dass die Qualität stimmt. Im Herbst 2014 ist ein erstes Treffen zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Trägern, Gewerkschaften und Elternvertretungen zu Struktur- und Qualitätsfragen der Kindertagesbetreuung vorgesehen. Die Verbesserung der Qualität muss dabei ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Und nebenbei: Besser ausgestattete Tageseinrichtungen sind für die Kinder viel wichtiger als die am 1. August in Kraft getretene Erhöhung des Betreuungsgeldes.

Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind