GLOSSE: Das Geld der anderen

Ja, natürlich brauchen wir eine Müllverbrennungsanlage. Irgendwo muss das Zeug hin, oder? Wir können es ja nicht auf den Mars schießen. Nein, aber bei uns geht das auf keinen Fall, denn hier ist es so wunderschön. Eine Müllverbrennungsanlage würde so gar nicht in die Landschaft passen. Aber bei denen da drüben, da wäre das sicher richtig platziert. Dort ist es eh so hässlich wie die Nacht finster ist.

Ja, natürlich brauchen wir mehr staatliche Überwachung. Da, von denen dort! So, wie die ausschauen, brauchen sie sich auf „Privatsphäre“ erst gar nicht berufen. Da sollte der Staat aber ganz genau hinschauen, woher die wieviel Geld überwiesen bekommen, denn schließlich müssen wir uns ja gegen Terrorismus und Unterwanderung schützen, nicht wahr? Bei uns ist das natürlich was anderes. Da gilt das Bankgeheimnis, schließlich leben wir doch in keiner Diktatur, oder?

Ja, natürlich muss der Staat endlich mal sparen. Da gibt es auch jede Menge Einsparungspotenzial. Jede Menge Leute, denen wir den Gürtel enger schnallen sollten! Also, da müsste der Finanzminister nur mal auf ein Bier bei mir vorbeikommen, dem würde ich schon was erzählen. Wie der das Geld mit beiden Händen rauswirft, also da würde ich rigoros rangehen, streichen und kürzen. Bei mir ist ja nichts mehr zu holen. Sie sehen doch, wie es hier aussieht. Reicht ja kaum mehr für den Urlaub. Uns kleinen Leuten greift man ständig in die Taschen, oder?

Ja, natürlich braucht es Steuererhöhungen! Laufen genügend Wohlhabende herum, die sich bereichert haben und Subventionen einstecken. Schauen Sie sich mal die anderen Autos an der Tankstelle an. Die Plutokraten, die Globalisierungsgewinner, die Reichen gehören saftig besteuert – all die, die mehr verdienen als Sie und ich. Stephan Baier