Paris

Frankreich: Erzbischof kritisiert geplantes Bioethik-Gesetz

Der Beauftragte der Französischen Bischofskonferenz für Bioethik-Fragen, Erzbischof Pierre d'Ornellas, sieht das geplante Gesetz als Eingriff in elementare Rechte der französischen Bürger.

Demonstration in Paris gegen neues Bioethikgesetz
Zehntausende Menschen demonstrierten am Sonntag in Paris gegen eine geplante Reform des Gesetzes zur künstlichen Befruchtung, die auch lesbischen Paaren und unverheirateten Frauen in Frankreich eine künstliche Befruchtung erlauben würde. Foto: Julien Mattia (Le Pictorium Agency via ZUMA)

Während in Frankreich die Nationalversammlung ein neues Bioethik-Gesetz verabschiedet hat, das den Zugang zu künstlicher Befruchtung auf alle Frauen unter 43 Jahren ausweitet, gibt es weiterhin zahlreiche kritische Stimmen. Der Beauftragte der Französischen Bischofskonferenz für Bioethik-Fragen, Erzbischof Pierre d'Ornellas, sieht das geplante Gesetz als Eingriff in elementare Rechte der französischen Bürger. Konkret sieht der Erzbischof von Rennes das Recht auf einen Vater zur Disposition gestellt.

Frankreich schiebt "elementares Recht" auf die Seite

 „Wird man wirklich weiterhin sagen können, dass ,alle Menschen frei und mit gleichen Rechten geboren' werden, wenn einige nicht mehr das Recht auf einen Vater haben werden?“, fragte d'Ornellas im Gespräch mit der französischen Zeitung „Le Parisien“. Das Land schiebe ein „elementares Recht“ auf die Seite.

Wachse ein Kind ohne Vater auf, so Erzbischof d'Ornellas, könne es Schwierigkeiten in der Pubertät geben. Das habe er von einem Schulleiter und von Erziehern gehört. „Die Rolle des Vaters ist grundlegend; man kann sie nicht abschaffen.“  D'Ornellas forderte eine Studie in den pädopsychiatrischen Praxen mit hohen Fallzahlen, um die Auswirkungen eines Aufwachsens ohne Vater auf ein Kind zu untersuchen. „Bis heute gibt es keine verbindlichen Erkenntnisse für dieser Frage“, beklagte er.

"Wir wollen nicht gewinnen oder
verlieren - wir suchen den Dialog"
Pierre d'Ornellas, Erzbischof von Rennes

Auch wenn sich die französischen Abgeordneten bereits für eine Öffnung der künstlichen Befruchtung ausgesprochen haben, fehlt noch die Zustimmung des Senats. Auf die Frage, ob der Kampf der Gegner nicht vergeblich sei, erklärte der Erzbischof: „Für ein Gesetz zu stimmen, heißt nicht, dass Sie sie nicht täuschen können. Steuergesetze werden ständig neu formuliert und abgestimmt. Wir wollen nicht gewinnen oder verlieren - wir suchen den Dialog.“

Indes demonstrierten am Sonntag Zehntausende Gegner einer Liberalisierung des Bioethik-Gesetzes in Paris. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bezifferte die Teilnehmerzahl gar auf 200 000. Umfragen zufolge befürwortet jedoch eine große Mehrheit der Franzosen, die künstliche Befruchtung für lesbische Paare und alleinlebende Frauen auszuweiten.

DT/mlu/KNA