„Feige Anschläge auf unschuldige Bürger“

Nach den Attentaten in Brüssel zeigen sich führende Katholiken schockiert und äußern ihr Mitgefühl mit Opfern und Angehörigen

Mit Kerzen und Blumensträußen gedenken die Brüsseler Bürger am Dienstagabend auf dem Place de la Bourse in der Innenstadt den etwa 30 Toten und fast 260 Verletzten des islamistischen Terrors. Foto: dpa
Mit Kerzen und Blumensträußen gedenken die Brüsseler Bürger am Dienstagabend auf dem Place de la Bourse in der Innenstad... Foto: dpa

Vatikanstadt/Brüssel/Bonn/Berlin (DT/KNA/dpa) Papst Franziskus hat die Anschläge von Brüssel verurteilt. In einem Telegramm an den Brüsseler Erzbischof Jozef de Kesel beklagte er „die blinde Gewalt, die so viel Leid hervorbringt“. Er flehe Gott „um das Geschenk des Friedens“ an, heißt es weiter in der am Dienstag vom Vatikan verbreiteten Botschaft, die von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet ist. Franziskus bekundete sein Mitgefühl mit den Opfern. Die Toten empfahl er der Barmherzigkeit Gottes an, den Angehörigen sowie den Verletzten und ihren Familien sagte er sein Gebet zu. Ausdrücklich schloss er auch die Rettungskräfte ein.

Mit Bestürzung reagierten auch die katholischen Bischöfe Belgiens auf die Detonationen auf dem Brüsseler Flughafen. In einer am Dienstag verbreiteten Stellungnahme der Belgischen Bischofskonferenz heißt es, man teile „die Angst Tausender Reisender und ihrer Familien, der Flughafenmitarbeiter und der Sicherheitskräfte, die wieder einmal in der Frontlinie stehen“. Die Bischöfe sprachen von einer „neuen dramatischen Lage“. Sie riefen zum Gebet für die Opfer und zu Besonnenheit auf. Am Flughafen Zaventem seien Seelsorger im Einsatz, um allen Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen.

Auch Europas Bischöfe beten für die Opfer der Anschläge in Brüssel: Der Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und ungarische Primas, Kardinal Peter Erdö, drückte den Angehörigen der Opfer in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung seine Anteilnahme aus. „In dieser Zeit der Verängstigung rufe ich alle Menschen auf, sich nicht von Furcht überwältigen zu lassen. Beten wir für Frieden in Europa, im Nahen Osten und in der ganzen Welt“, so Erdö.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der Europäischen Bischofskommission COMECE, Kardinal Reinhard Marx, kündigte für diese Karwoche ebenfalls Gebete für die Opfer und ihre Angehörigen an. „Meine Gedanken und Empfindungen sind in diesen Stunden bei den Toten, den Verletzten und ihren Angehörigen“, erklärte er am Dienstag in Bonn. „Die Anschläge auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel machen mich traurig und bestürzt.“

Die Ereignisse bewegten ihn auch persönlich sehr, fügte Marx hinzu. Durch seine europäischen Aufgaben sei er immer wieder in Brüssel. Den COMECE-Mitarbeitern fühle er sich „besonders verbunden“.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, zeigte sich erschüttert: „Ich bete für alle Opfer. Der Hass darf bei uns nicht siegen!“ Mit Brüssel hätten die Attentäter nicht nur die Menschen dieser Stadt, sondern Europa insgesamt getroffen.

Mit Erschütterung reagierte auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, auf die Terroranschläge. „Wir stehen solidarisch an der Seite Belgiens“ erklärte er am Dienstag in Berlin. Die Taten seien „feige Anschläge auf unschuldige Bürger“, die Täter „Verbrecher und Massenmörder“. Die Terroristen wollten „Angst und Schrecken verbreiten und die Gesellschaft spalten“, so Mazyek weiter. Dazu dürfe es nicht kommen. Es gelte, „allen Terroristen – egal welcher Couleur“ zu entgegnen: „Euch wird der Zorn Gottes und der gesamten Menschheit treffen. Diese Schandtaten werden niemals Erfolg haben.“

Bei einer Serie von Bombenanschlägen wurden am Dienstag in Brüssel ungefähr 31 Menschen getötet und fast 260 weitere verletzt. Diese Zahlen nannte die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block am Mittwoch. Die Zahl der Toten könne jedoch noch steigen.

Am Dienstagmorgen erschütterten Explosionen zunächst den Flughafen und kurz danach eine U-Bahnstation mitten im EU-Viertel. Die Polizei geht von zwei Selbstmordattentätern am Airport aus, nach einem dritten Mann wird mit Foto gefahndet. Die Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) bekannte sich im Internet zu den Anschlägen, die weltweit Entsetzen auslösten und die Angst vor weiteren Attentaten in Europa schürten. Die belgische Regierung verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Zudem rief die Brüsseler Regionalregierung für Mittwochnachmittag zu einer Schweigeminute auf.

Siehe auch Seiten 2 und 11