Facebook und Apple tragen Kosten für „Social Freezing“

IT-Konzerne aus Kalifornien zahlen Mitarbeiterinnen bis zu 20 000 US-Dollar für das Aufschieben des Kinderwunsches. Von Stefan Rehder

Das Machen von Babys ist nicht leicht: Auch das neue Schockgefrieren von Eizellen garantiert keine erfolgreiche Labor-Zeugung. Foto: dpa
Das Machen von Babys ist nicht leicht: Auch das neue Schockgefrieren von Eizellen garantiert keine erfolgreiche Labor-Ze... Foto: dpa

Menlo Park/Cupertino (DT) Der IT-Konzern Facebook unterstützt offenbar Mitarbeiterinnen, die in jungen Jahren ihre Eizellen einfrieren lassen wollen, um sich ganz auf Beruf und Karriere konzentrieren zu können, mit bis zu 20 000 US-Dollar (18 500 Euro). Das berichtete der US-Fernsehsender NBC. In einem in der Nacht zum Mittwoch ausgestrahlten Fernsehbeitrag beruft sich der Sender auf Mitarbeiterinnen des Unternehmens mit Firmensitz in Menlo Park im US-Bundesstaat Kalifornien. Wie der Sender weiter berichtet, will der ebenfalls in Kalifornien beheimatete Technologiekonzern Apple dem Beispiel Facebooks folgen. Das Unternehmen mit Firmensitz in Cupertino will ab dem kommenden Jahr Mitarbeiterinnen die Kosten für das sogenannte „Social Freezings“ erstatten.

Unternehmen wollen für Frauen attraktiver werden

Ein Grund für die Maßnahme sei der extrem niedrige Frauenanteil in der IT-Industrie. Dafür stünden praktisch alle Konzerne in der öffentlichen Kritik. Mit der Übernahme der Kosten für das Einfrieren von Eizellen hofften die Firmen für Frauen attraktiver zu werden. Als „Social Freezing“ wird eine vergleichsweise neue Methode der Kryokonservierung von Eizellen bezeichnet, für die es keinerlei medizinische Indikation gibt. Die Kosten für das Verfahren müssen daher auch in Deutschland von den Frauen selbst getragen werden.

In den USA belaufen sich die Kosten für die Entnahme und das Einfrieren der Eizellen üblicherweise auf rund 10 000 Dollar. Für das „Social Freezing“ muss sich die Frau zunächst einer Hormonbehandlung unterziehen. Diese sorgt dafür, dass in den Eierstöcken binnen eines Zyklus statt der üblichen einen Eizelle viele Eizellen gleichzeitig heranreifen. Das Wachstum der Follikel wird mittels Ultraschall kontrolliert. Am Ende der Hormonbehandlung werden die Eierstöcke über die Scheide mit einer Nadel punktiert und die Eizellen abgesaugt. Diese werden anschließend einer Qualitätsprüfung unterzogen und bei –196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff schockgefroren. Um hinreichende Chancen für eine spätere künstliche Befruchtung zu erhalten, raten Reproduktionsmediziner ihren Kundinnen üblicherweise dazu, zehn bis 15 Eizellen einzufrieren. Wird diese Menge beim ersten Mal nicht erreicht, wird den Kundinnen empfohlen, sich einer weiteren Hormonbehandlung zu unterziehen. Die Kosten für die anschließende Lagerung der Eizellen betragen in den USA rund 500 Dollar pro Jahr. Kritiker des „Social Freezings“ machen geltend, dass es sich bei dem neuartigen Verfahren um eine junge Technik handle, die – wie alle anderen künstlichen Verfahren auch – keine erfolgreiche Schwangerschaft garantieren könne und warnen vor den gesellschaftlichen Folgen der „Lifestyle“-Methode. Sie befürchten, dass das „Social Freezing“ dazu führe, dass die Gründung von Familien künftig noch stärker als bisher ökonomischen Aspekten untergeordnet werde. Laut dem Internetforum eggsurance.com warten in den USA bereits rund 20 Prozent der Frauen mit dem Kinderkriegen, bis sie 35 Jahre alt sind. Ein Drittel der Frauen im Alter von 35 bis 39 Jahren habe aber Probleme, schwanger zu werden. In der Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen steige dieser Anteil auf 64 Prozent, heißt es auf dem Portal unter Berufung auf Daten der US-amerikanischen Regierung.

Wie die Nachrichtenagentur AFP meldet, weigerten sich Facebook und Apple bislang, den Bericht des US-Fernsehsenders auf Anfragen der Agentur zu kommentieren.