„Es ist eine notwendige Aufgabe für die Zukunft“

Der Sprecher von Krakaus Kardinal Stanis³aw Dziwisz erklärt, warum die Kirchen für das polnisch-russische Verhältnis so wichtig sind

Nach dem Vorbild der deutsch-polnischen Erklärung beider Bischofskonferenzen zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges hat der Krakauer Kardinal Stanis³aw Dziwisz eine gemeinsame Erklärung der polnischen Bischöfe und russischen Orthodoxie angeregt – nachdem es in der Kriegsschuldfrage Spannungen zwischen beiden Ländern gibt. Stefan Meetschen hat dazu Robert Nêcek (40), den Sprecher von Kardinal Dziwisz, befragt.

Was hat es mit der Idee von Kardinal Dziwisz für eine polnische Versöhnungsgeste mit der russisch-orthodoxen Kirche auf sich?

Tatsächlich haben Kardinal Dziwisz und die polnischen Bischöfe bei der Präsentation der deutsch-polnischen Erklärung erwähnt, dass ein ähnliches polnisch-russisches Dokument ein Verweis bezüglich der polnisch-russischen Beziehungen werden könnte, denn diese Beziehungen haben jetzt Priorität. Es sieht so aus, dass unsere Nationen, Polen und Russland, nicht sehr weit voneinander entfernt sind. Nicht so weit, wie es scheint, wenn man nur auf die Politiker schaut. Natürlich wird es nicht so einfach sein wie im Falle Deutschlands, weil, wie Erzbischof Muszyñski richtig gesagt hat, Russland und Polen schon länger beieinander stehen und auch die kommunistische Diktatur in Polen länger gedauert hat. Wenn man an ein solches Dokument von Seiten der polnischen und russischen Bischöfe denkt, so muss man sagen: Es ist eine notwendige Aufgabe der Zukunft.

In diesen Tagen ist Kardinal Dziwisz Gastgeber einer internationalen St. Egidio Veranstaltung mit zahlreichen religiösen und politischen Vertretern aus aller Welt. Wäre ein solches Großtreffen zwischen polnischen und russischen Bischöfen nicht auch eine denkbare Geste der Versöhnung?

Alles ist möglich. Wenn wir uns treffen wollen, wenn wir zusammen reden und beten wollen. Dann können wir auch beginnen, uns gegenseitig besser zu verstehen. Das Thema des Friedens ist niemand gleichgültig! Ich kann im übrigen, was die St. Egidio Veranstaltung betrifft, sagen, dass der Patriarch von Moskau für das Treffen in Krakau zwei Vertreter gesandt hat.

Wie sind Sie eigentlich mit den Reaktionen auf die Erklärung der deutsch-polnischen Bischofskonferenz bei Politikern, Historikern und Journalisten Ihres Landes zufrieden?

Die gemeinsame Erklärung der deutschen und polnischen Bischöfe ist auch ein Appell der Kirche zum gemeinsamen Zeugnis und zur Zusammenarbeit. Die Stellungnahmen der Bischöfe können darüber hinaus ein wunderbares Beispiel sein. Besonders für die Nationen des Balkans. Ich möchte nicht über die Reaktionen von Politikern, Historikern und Journalisten urteilen. Das ist nicht meine Aufgabe. Ich möchte nur unterstreichen, dass die Kirche immer von der Notwendigkeit gesprochen hat, die Erinnerungen zu respektieren. Ebenso wie sie niemals die Notwendigkeit der ständigen Vergebung aus den Augen verloren hat.

Was denken Sie über die Reaktionen von deutscher Seite auf die Erklärung der Bischöfe?

Ich denke, dass die gemeinsame Erklärung in die Herzen und das Bewusstsein der Politiker beider Länder gehen wird. Und in die Herzen und das Bewusstsein der Medienmacher beider Länder. Es geht darum, dass beide Seiten aufhören, die Geschichte für ihre Geschäfte und den raschen Nutzen zu instrumentalisieren. Alle extremen und radikalen Ansichten sollten keinen Platz mehr haben. Dafür sollte an den Schulen eine objektive Geschichte gelehrt werden. Wir sollten uns um die Errichtung fester, gemeinsamer Beziehungen bemühen. Das Fundament sind die universalen Werte.