England: Gericht verhandelt Suizid

London (DT/KNA/reh) Großbritanniens Oberstes Gericht muss klären, ob das Verbot eines ärztlich assistierten Suizids gegen den menschenrechtlich verbürgten Schutz des Privatlebens verstößt.

Konkret geht es um zwei Kläger, die zuvor vor einem britischen Berufungsgericht gescheitert waren. Für die am Montag beginnende Verhandlung hat der britische Supreme Court in London nach eigenen Angaben vier Tage angesetzt. Über die Fälle beraten werden neun statt der sonst üblichen fünf Richter. Mit einem Urteil des Obersten Gerichts wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet.

Im Juli hatte der Berufungsgerichtshof ein früheres Urteil des obersten britischen Zivilgerichts bestätigt, das dem zwischenzeitlich verstorbenen Tony Nicklinson ein Recht auf Sterbehilfe bestritten hatte. Der Mann aus der südwestenglischen Grafschaft Wiltshire war seit dem Jahr 2005 vom Hals abwärts gelähmt und kämpfte vor Gericht um die Möglichkeit einer Selbsttötung mit ärztlichem Beistand. Im August 2012 starb er im Alter von 58 Jahren eines natürlichen Todes. Seine Witwe führt den Prozess seitdem fort.

Im gleichen Berufungsverfahren abgewiesen wurde auch die Klage von Paul Lamb aus der nordenglischen Stadt Leeds, der seit einem Autounfall vor 23 Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist und für einen Suizid ebenfalls auf fremde Hilfe angewiesen wäre.

Erfolg hatte vor dem Berufungsgericht im Juli diesen Jahres hingegen ein dritter Kläger mit der Forderung nach weiterer rechtlicher Klärung zu Sterbehilfe im Ausland. Der Mann möchte wissen, ob es legal ist, wenn Ärzte oder Pflegekräfte einen sterbewilligen Patienten außerhalb Großbritanniens begleiten, um ihn dort mit Hilfe einer entsprechenden Organisation assistierten Suizid verüben zu lassen.

Beihilfe zum Suizid ist in Großbritannien ein Straftatbestand, der mit bis zu 14 Jahren Haft belegt werden kann. Laut britischen Medien sind bislang schätzungsweise 200 todkranke Briten in die Schweiz gereist, um dort ihr Leben zu beenden. Keiner der begleitenden Angehörigen sei jedoch dafür rechtlich belangt worden.