Würzburg

Eine geschickte Strategie

Die Filmemacherin Doris Liu hat einen Film über die Konfuzius-Institute gedreht. Ein Interview mit der Regisseurin von "In the name of Confucius".

Chinas Staatspräsident Xi Jinping
Xi Jinping, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas. Foto: Fred Dufour (AFP POOL)

In Ihrem spannenden Film "Im Namen des Konfuzius" schildern Sie die erfolgreichen Proteste gegen das Konfuzius-Institut an der Universität Toronto. Wurden daraufhin noch weitere Konfuzius-Institute geschlossen?

Hauptsächlich in Nordamerika und Europa wurden 30 weitere Konfuzius-Institute geschlossen. In Kanada gibt es noch zwölf weitere Konfuzius-Institute. Weltweit sind es rund 500. Außerdem gibt es rund 1000 Konfuzius- "Klassenzimmer" an Grund- und Oberschulen.

"Das Problem ist, dass nicht alle Universitäten,
die Konfuzius-Institute geschlossen haben,
auch begründeten, warum sie es taten"

Was waren die Kritikpunkte, die zur Schließung von Instituten führten? Der Leiter des Konfuzius-Insituts in Brüssel, Xinning Song, wurde im Herbst 2019 sogar von der belgischen Regierung wegen Spionageverdachts des Landes verwiesen und ihm der Aufenthalt in der Schengen-Zone für acht Jahre untersagt.

Es waren vor allem drei Punkte: Grundrechtsverletzungen, die Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre und der dritte Punkt waren tatsächlich Sicherheitsbedenken. Das Problem ist, dass nicht alle Universitäten, die Konfuzius-Institute geschlossen haben, auch begründeten, warum sie es taten. Das liegt an den Verträgen zwischen dem "Hanban", dem Bildungsministerium in China, und den jeweiligen Gastuniversitäten im Ausland. Darin stehen Paragraphen, welche es den Gastuniversitäten unmöglich machen, öffentlich etwas zu äußern, was dem Ansehen der Konfuzius-Institute schaden könnte. Die Möglichkeit, sich kritisch zu äußern ist komplett eingeschränkt. Im Ergebnis haben Universitäten selten öffentlich gemacht, warum sie ein Institut schlossen. Wir können davon ausgehen, dass es etwas Konkretes gab, aber wir wissen nicht was.

Verteidiger der Konfuzius-Institute in Deutschland vergleichen diese Institute oft mit den deutschen Goethe-Instituten. Was sagen Sie zu diesem Vergleich?

Es besteht ein großer Unterschied zwischen den Goethe-Instituten oder dem British Council, der britischen Organisation für Kulturbeziehungen. Diese sind im Auftrag demokratischer Staaten tätig. Die Konfuzius-Institute werden von der Kommunistischen Partei Chinas kontrolliert.  Außerdem gehen die Goethe-Institute oder diejenigen des British Council nicht wie die Konfuzius-Institute Verbindungen mit den Universitäten der Länder ein, in denen sie aktiv werden. Goethe-Institute oder British Council sind für sich in den Gastländern tätig und führen eigene Programme durch. Zur Strategie der Konfuzius-Institute gehört es jedoch, bewusst direkte Verbindungen mit ausländischen Universitäten einzugehen. Das tun sie nicht zufällig. Sondern sie wollen die Menschen von innen heraus beeinflussen.

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