Ein kosmischer Kühlschrank gegen den Kollaps

Die Erderwärmung erhitzt die Phantasie der Forscher

Von Bernhard Huber

Die Welt gönnt den Grönländern aber auch gar nichts. Da können sie sich dank des Klimawandels endlich Hoffnungen machen, an ihre Bodenschätze zu kommen, und schon beratschlagen Wissenschaftler auf einem Kolloquium in Kiel, wie man die Sonne daran hindern könnte, ihren natürlichen Beitrag zur Erderwärmung zu leisten.

Als wären sie bei Superman in die Lehre gegangen, schwebt einigen von ihnen vor, die Erde in eine Art kosmischen Kühlschrank zu stecken. Sie meinen, man könnte die Atmosphäre mit Partikeln anreichern, um die Sonneneinstrahlung zu dämpfen. Als meteorologischer Laie denkt man natürlich sofort weiter: Braucht man dazu nicht einen gigantischen Thermostat, mit dem die Temperatur in diesem gigantischen Küchengerät zu regeln wäre? Sonst würde sich das Grönlandeis doch womöglich, anstatt zu schmelzen, über die ganze Erde ausbreiten, obwohl das im Sinne Karl Valentins wäre, der einst den lieben Gott in einem misanthropischen Anfall darum gebeten hatte, er möge die Menschheit erfrieren lassen. Welche Partikel ihre dimmende Wirkung entfalten sollen, ist ebenfalls noch zu klären. Der Laie denkt auch hier sofort weiter, und zwar an gecrushtes Eis, wie es bei der Zubereitung von Cocktails zum Einsatz kommt. Die Grönländer würden dafür sicher zu günstigen Konditionen von ihrem Überfluss abgeben, zumal sie ihren Bodenschätzen dadurch immerhin näher kämen.

So monströs, um nicht zu sagen größenwahnsinnig diese Idee auch sein mag, es wäre wohl eine Beleidigung der Intelligenz des Homo sapiens, der wir immerhin das Rad verdanken, eine vergleichsweise einfache Lösung anzustreben: den Fuß vom Gaspedal nehmen, einen Gang runterschalten und das Leben etwas weniger hitzig angehen. Sogar der Laie sieht, wohin das führen würde: zum Grönlandeis.