„Ein Missionar der Versöhnung und hoher Botschafter Gottes“

Der Großmufti von Kamerun, Scheich Munir, zeigt sich dankbar für den Besuch des Papstes in Kamerun

Nach der Begegnung des Heiligen Vaters mit Vertretern der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Yaoundé hatte Missio-Mitarbeiter Andreas Thonhauser die Gelegenheit zum Gespräch mit dem Großmufti von Kamerun, Scheich Munir, der auch Präsident der „Muslim World Organization of Peace and Development“ und Präsident der „High Comission of the Muslims in Africa“ ist.

Wie verlief Ihr Treffen mit Papst Benedikt XVI.?

Unsere Begegnung, gemeinsam mit 19 anderen Repräsentanten der Muslime in Kamerun, war geprägt von großer Wärme und gegenseitigem Respekt. Ich befürworte sehr, was der Papst bisher in seinem Amt gemacht hat. Ich begrüße den Dienst, den er an der gesamten Menschheit leistet. Unsere Zusammenkunft war wie ein Treffen einer Familie, der Familie Gottes.

Gibt es keine Spannungen zwischen Christen und Muslimen im Kamerun?

Es gibt kaum Spannungen. Kamerun ist Gott sei Dank ein Ort des Friedens. Hier ist eine friedliche Koexistenz zwischen den Religionen möglich und auch natürlich. Wir respektieren uns gegenseitig und kommen der Aufforderung des Papstes zur engeren Zusammenarbeit zwischen den Katholiken und den Muslimen sehr gerne nach!

Welche Aussagen des Papstes während seines Aufenthaltes in Kamerun empfanden Sie als besonders wichtig?

Was der Heilige Vater über HIV/Aids und über Kondome sagte, ist sehr zu begrüßen. Es steht im Einklang mit den heiligen Schriften. Ich habe ihm auch persönlich dazu gratuliert. Er sagte, dass Kondome die Probleme Afrikas nicht lösen würden, und das ist wahr. Wir Muslime applaudierten ihm, als wir von dieser Stellungnahme hörten. Diese Aussage unterstreicht sein Image als tolerante und integrierende Persönlichkeit, denn er zeigt dadurch, dass er Afrika und die Menschen hier in ihrer Kultur ernst nimmt. Man darf nicht einfach davon ausgehen, dass Werte und Vorgaben, die vielleicht in einer europäischen Kultur funktionieren, auch hier auf unserem Kontinent ohne Probleme sind. Der Papst hat gezeigt, dass er die Menschen Afrikas versteht und respektiert. Das sind wichtige Zeichen für unsere Zeit!

Warum sind diese Zeichen jetzt wichtig?

Es ist an der Zeit, alle Mitglieder der Familie Gottes wieder zu einen. Es ist die Zeit der Versöhnung gekommen. Es gibt zu viele falsche Propheten in der Welt, die Feuer zwischen den Gläubigen legen und sie auseinander dividieren. Es herrscht große Unordnung. Deshalb ist Versöhnung so wichtig. Versöhnung zwischen den Religionen, den Kirchen und den Gläubigen. Und interreligiöser Dialog: das sind die besten Waffen gegen den Terrorismus. Der Dialog wird uns helfen, gemeinsame Wege zu finden.

Wie werden Sie die Begegnung mit Papst Benedikt in Erinnerung behalten?

Bevor wir auseinander gingen, wechselte ich noch ein paar persönliche Worte mit dem Papst. Wir sprachen über die Aggressionen, die es zwischen Katholiken und Muslimen mancherorts gibt. In Kamerun soll das niemals der Fall sein. Das sage ich als der Großmufti dieses Landes. Die wahre Rolle des Papstes ist es, ein Missionar der Versöhnung zu sein. Er ist ein hoher Pilger und hoher Botschafter Gottes. Er wird sich zu jeder Zeit der Unterstützung aller Organisationen, die ich repräsentiere, sicher sein können. Der Besuch des Papstes in Kamerun war für mich persönlich eine große Ermutigung.