Ein Fundament, das Zukunft verspricht

Pater Halemba sieht im YOUCAT in arabischer Sprache eine wertvolle Informationsquelle für Jugendliche in Nahost. Von Oliver Maksan

ist Nahost-Referenten von „Kirche in Not“. Foto: Maksan
ist Nahost-Referenten von „Kirche in Not“. Foto: Maksan
Sie haben jüngst den Libanon bereist. Was ist im Moment die größte Herausforderung für die katholische Kirche dort?

Der Krieg im Nachbarland Syrien ist eine große Herausforderung für die Kirche im Libanon. Jeden Tag kommen neue syrische Flüchtlinge in das kleine Land, in dem bereits 50 000 Iraker und mehr als 46 000 Syrer Zuflucht gesucht haben. Die Zahlen liegen in Wirklichkeit höher, denn die Statistiken erfassen nur die offiziell registrierten Flüchtlinge. Die Kirche ist für sie eine wichtige Anlaufstelle. Zu der Klinik der Schwestern vom Guten Hirten in Beirut kommen beispielsweise täglich mehr als 100 Menschen: Mütter, die ihren Kindern keine Milch, keine Nahrung, keine Windeln kaufen können, Kranke, die medizinische Hilfe benötigen, Familien, die das Schulgeld für die Kinder nicht aufbringen können. Es ist wichtig, dass die von den Kriegserlebnissen traumatisierten Kinder in die Schule gehen können und nicht zu Hause herumsitzen. Sie brauchen Normalität und eine Zukunftsperspektive. Ein ernstes Problem besteht auch darin, dass die Libanesen von der Angst beherrscht werden, dass der syrische Bürgerkrieg auf ihr Land übergreifen könnte. In den Massenmedien werden zudem viele falsche Informationen und Halbwahrheiten verbreitet. Dies schadet besonders den Christen. Wir helfen der katholischen Kirche dabei, die Flüchtlinge zu betreuen und dem Ozean der Not zu begegnen, der über sie hereinbricht.

Von der Flüchtlingshilfe abgesehen: Welches sind die Langzeitprojekte von „Kirche in Not“ (KIN) im Libanon?

Ist die unmittelbare physische Not gelindert, liegt uns auch die Seelsorge an den entwurzelten und traumatisierten Menschen am Herzen. Zudem darf man nicht vergessen, dass die Kirche im Libanon nach dem Bürgerkrieg (1975–1990) bis heute Hilfe beim Wiederaufbau und bei der Ausweitung ihrer pastoralen Strukturen benötigt. Den Priestern helfen wir mit Mess-Stipendien, die nicht nur ihrem Lebensunterhalt und ihrer Weiterbildung dienen, sondern durch die sie den Flüchtlingen und Bedürftigen helfen können, die an ihre Tür klopfen. Zudem fördern wir Projekte, die den Glauben der Menschen durch Studien und Exerzitien vertiefen. Durch unsere internationale Medienarbeit tragen wir dazu bei, korrekte Informationen über die Lage in der Region zu verbreiten, und unterstützen zudem christliche Medien wie den Fernsehsender Tele Lumiere. Nicht zuletzt rufen wir die Christen in aller Welt dazu auf, um ein Ende der Gewalt zu beten. Denn der beste Weg, den Flüchtlingen zu helfen, ist ein friedliches Ende der Konflikte.

KIN hat anlässlich des Jugendtreffens mit dem Papst die arabische Übersetzung des YOUCAT mitfinanziert. Was erwarten Sie sich von diesem Projekt?

Papst Benedikt XVI. wird am 15. September die arabische Übersetzung des YOUCAT als sein persönliches Geschenk an alle Jugendlichen verteilen, die an dem Jugendtreffen teilnehmen. Diese Übersetzung wird eine große Quelle der Information für viele Jugendliche im Nahen Osten sein und soll sie im Glauben stärken. „Kirche in Not“ hat einen Teil der Druckkosten übernommen. Die erste Auflage beträgt 50 000 Exemplare. Außerdem haben wir als päpstliches Hilfswerk die Herausgabe der Katechesen des Heiligen Vaters in arabischer Sprache gefördert. Dieses Buch wird dem Papst im Rahmen seiner Reise überreicht werden.

Wie würden Sie aus Ihrer Sicht die geistliche Situation der libanesischen Christen beschreiben? Sind sie verzweifelt oder glauben sie an eine Zukunft im Libanon?

Ich war überrascht, als eine Ordensschwester mir sagte: „Herr Pater, der Glaube der Menschen im Libanon ist heute viel stärker als während des Krieges in den Jahren 1975 bis 1990.“ Der Glaube sei reifer geworden, und die Menschen zerbrächen nicht an der Frage, warum Gott so viel Leid zulässt. Man sieht in den Kirchen Menschen jeden Alters, darunter viele Jugendliche. Die Kirche des Landes ist aus dem Zeugnis vieler Märtyrer erwachsen. Es gibt zahlreiche Priester und Ordensleute, die ihre Berufung auf das Vorbild der libanesischen Heiligen zurückführen. Eine Kirche auf einem solchem Fundament hat eine Zukunft.