„Echte Märtyrer des Glaubens“

Kyrillos Samaan ist koptisch-katholischer Bischof von Assiut. Er meint: Ägypten ist auf dem Weg der Erneuerung. Von Oliver Maksan

Bischof Kyrillos Samaan. Foto: om
Bischof Kyrillos Samaan. Foto: om
Exzellenz, die koptisch-orthodoxe Kirche hat die vom „Islamischen Staat“ ermordeten Christen zu Märtyrern des Glaubens erklärt. Schließen sich Ägyptens Katholiken dem an?

Natürlich. Unsere Brüder wurden getötet, weil sie Christen sind. Sie waren voller Glauben. Ihre letzten Worte waren Worte des Glaubens. Sie hätten ja zum Islam konvertieren können. Sie haben es aber nicht gemacht, sondern sie sind Jesus treu geblieben. Sie sind echte Märtyrer. Auch für uns Katholiken.

Wie würden Sie die aktuelle Stimmung im Land beschreiben?

Es herrschen Trauer und Zorn vor. Die entschlossene Reaktion unseres Präsidenten und die Luftschläge gegen IS-Stellungen in Libyen haben die Menschen aber beruhigt. Uns Christen hat besonders der Kondolenzbesuch des Präsidenten beim koptisch-orthodoxen Papst Tawadros berührt. Es gab überhaupt viele schöne Zeichen der Solidarität. Der Gouverneur der Provinz, aus denen die meisten Märtyrer stammen, hat den Bau einer großen Kirche zu ihrem Gedächtnis auf Staatskosten veranlasst. Außerdem wird ihr Heimatort zu ihren Ehren umbenannt. Und den betroffenen Familien wurde eine Geldsumme zugesprochen. Das tröstet die Leute. Ägypten ist auf dem Weg der Erneuerung.

Gab es auch andere Stimmen?

Leider ja. Ein salafistischer Scheich hat gesagt, dass es richtig gewesen sei, was mit unseren Brüdern passiert ist. Der „Islamische Staat“ habe richtig gehandelt, die christlichen Schafe zu schlachten. Aber ich weiß nicht, wie viele so denken.

Glauben Sie, dass Präsident Sisi die Christen mit dem Staat Ägypten versöhnt?

Ja, ganz sicher. Wir spüren das sehr stark. Viele haben es sich gewünscht, aber niemand hat ernsthaft erwartet, dass das Staatsoberhaupt zu Weihnachten die koptische Kathedrale in Kairo aufsuchen würde. Präsident Sisi hat das im Januar gemacht. Er sprach von Herzen. Seine Botschaft war: Wir alle, Christen und Muslime, sind Ägypter. Punkt. Er betont sehr stark die Idee der gemeinsamen Staatsbürgerschaft. Die Menschen waren begeistert. Der Besuch war ein starkes Zeichen. Sie müssen sehen, vor welchem Hintergrund er stattfand. Es gibt nämlich viele radikale Muslime, die sagen, Muslime dürften Christen nicht zu ihren Festen gratulieren. Das sei gegen den Islam. Der Besuch des Präsidenten war die Antwort auf diese Ideen.

Nun wird Sisi im Westen sein hartes Vorgehen gegen die Muslimbrüder vorgeworfen. Menschenrechte würden dabei verletzt. Sehen Sie das auch so?

Der Westen misst hier mit zweierlei Maß. Niemand im Westen würde akzeptieren, was die Muslimbrüder hier bei uns gemacht haben. Sie haben Kirchen und öffentliche Gebäude angezündet, Armee und Polizei angegriffen. Wer Terrorakte ausgeführt hat, muss vor Gericht gestellt werden. Das ist keine politische Entscheidung, sondern eine juristische. Und das geschieht.

Ab März wird ein neues Parlament in Ägypten gewählt. Befürchten Sie, dass das islamistische Lager erneut politisches Gewicht bekommen könnte?

Nein. Ich glaube, die Ägypter haben während der Herrschaft der Muslimbrüder sehr gut gesehen, wie und wohin sie das Land geführt haben. Die Muslimbrüder haben ihre eigenen Interessen vor die Interessen unseres Landes gestellt. Die Ägypter wollen das nicht noch einmal. Die Leute wissen, wen sie wählen wollen und wen nicht.