Dziwisz betont Aktualität von „Familiaris consortio“

Johannes Paul II. sei „heutigen Ideologien zuvorgekommen“ – Vorbereitungen auf WJT in Krakau laufen sehr gut. Von Stefan Meetschen

Papst Johannes Paul II. Foto: dpa
Papst Johannes Paul II. Foto: dpa

Krakau/Wadowice (DT) Am Rande eines Treffens mit Vertretern der Marianischen Kongregationen Europas in Wadowice hat der Metropolit von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, ausdrücklich die Aktualität und Relevanz des Apostolischen Schreibens „Familiaris consortio“ herausgestellt. Gegenüber dieser Zeitung sagte der langjährige Sekretär von Papst Johannes Paul II., es handle sich bei dem Schreiben, mit dem sich der polnische Papst 1981 an die Bischöfe, Priester und Gläubigen der ganzen Kirche über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute gewandt habe, um ein „sehr großes Dokument“, welches anknüpfend an die Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. und auf Grundlage der Philosophie des Personalismus und der von Johannes Paul II. entwickelten „Theologie des Leibes“ die wichtige Lehre der Kirche über die Familie ordne. „Der Heilige Vater“, so Dziwisz, „ist damit den heutigen Ideologien, welche die Zerstörung der Familie und der Moral in der Welt provozieren, zuvorgekommen.“

Mit Blick auf die Vorbereitungen zum Weltjugendtag 2016, der in Krakau stattfindet, betonte Dziwisz gegenüber der „Tagespost“, dass es „keine Verspätungen“ gäbe, man sei sogar schneller als erwartet. Es lägen bereits viele Anmeldungen von Jugendlichen aus dem Ausland vor. Erwartet werden im Sommer des kommenden Jahres zwei Millionen Teilnehmer aus 200 Ländern.

Weltjugendtag und Jahr der Barmherzigkeit ergänzen sich

Das von Papst Franziskus ausgerufene „Jahr der Barmherzigkeit“, so Kardinal Dziwisz, passe gut zum Thema des Weltjugendtages 2016, „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“. Dabei unterstrich der 75-Jährige jedoch deutlich den Zusammenhang von Barmherzigkeit und Bekehrung: „Ich denke, dass der Mensch sensibel ist für dieses Thema. Der Mensch ist unfähig, sich zu bekehren und deshalb braucht er Barmherzigkeit.“

Auf seine persönlichen Erwartungen für den Weltjugendtag angesprochen, sagte Kardinal Dziwisz: „Ich werde nicht sagen, was ich erwarte, aber was wir erwarten, ist: eine Erneuerung des religiösen Lebens, eine Erneuerung des Glaubens und die Erneuerung der sozialen Angelegenheiten – das Verhältnis des Menschen zum Menschen. Mehr Freundlichkeit, Einheit und Gemeinschaft, denn heute steht die Welt in Gefahr durch verschiedene Kriege.“

Dabei verwies Dziwisz ausdrücklich auf die Botschaften des barmherzigen Jesu an die Krakauer Ordensschwester Faustina Kowalska (1905–1938), die im Jahr 2000 von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde: „Die erste Botschaft über die Göttliche Barmherzigkeit gab es vor dem Kriegsausbruch. Jetzt kehrt diese Botschaft zurück. Der Herr möchte uns zeigen: seid vorsichtig!“

Im Rahmen der Begegnung mit den Marianischen Kongregationen ermutigte Kardinal Stanislaw Dziwisz die Sodalen dazu, „hoffnungsfroh“ in die Zukunft zu sehen, auch wenn „die Zeit, in welcher wir leben, nicht so einfach“ sei. Johannes Paul II., dessen Heiligsprechung sich am 27. April jährt, habe, so Dziwisz, „gesehen, dass die Kultur Europas trotz ihrer christlichen Wurzeln immer mehr säkularisiert wird. Doch er wusste, dass die Kirche für Europa ein Angebot, einen Schatz besitzt, nämlich den Glauben an Jesus Christus.“ Dziwisz bat die Sodalen, an der Hoffnung festzuhalten, dass die Kongregationen neu erstarkt werden. „Wo das Ende droht, kann ein neuer Anfang geschehen. Setzt Euch für Glaube, Hoffnung und Liebe, die Grundwerte Europas ein!“ (Siehe auch Seite 7)