„Drogen legalisieren: Ein Irrweg“

Nach Irritationen um missverständliche Bischofs-Äußerungen bekräftigt die Kirche in Mexiko ihre Position. Von Marcela Vélez-Plickert

Bei seinem Besuch einer Entzugsklinik in Rio de Janeiro sprach sich Papst Franziskus klar gegen jede Freigabe von Drogen aus. Unser Bild zeigt den Heiligen Vater bei der Begegnung mit Patienten der Klinik. Foto: dpa
Bei seinem Besuch einer Entzugsklinik in Rio de Janeiro sprach sich Papst Franziskus klar gegen jede Freigabe von Drogen... Foto: dpa

Mexiko-Stadt (DT) Die katholische Kirche in Mexiko hat ihre Position zu einer Freigabe von Handel und Konsum von Marihuana klargestellt, nachdem die Debatte durch missverständliche Äußerungen Schwung bekommen hatte. Eine Legalisierung sei verkehrt, bekräftigte der Sprecher der Erzdiözese von Mexiko Stadt, Hugo Valdemar, in einer Pressekonferenz. Drogen zu legalisieren sei „ein Irrweg und unverantwortlich“. Dies werde die Drogenkriege nicht beenden. Zuvor war in der Zeitung „Milenio“ in der Stadt Monterrey ein Interview mit dem örtlichen Bischof Rogelio Cabrera Lopez erschienen. Er sagte, es sei notwendig, über eine Legalisierung „die Debatte zu eröffnen“. Cabreras Worte wurden von einigen Medien dahingehend interpretiert, dass er offen sei für eine Drogenfreigabe. Allerdings wurde er wohl missverstanden. Cabrera erklärte in dem Interview, dass man einen „offenen Dialog“ brauche „und nicht einfach kopieren soll, was sie in anderen Ländern wie Uruguay tun“. Zugleich betonte er, dass Drogenhandel auch ein moralisches, nicht nur ein legales Problem sei.

Die Entscheidung des Kongresses von Uruguay, Marihuanahandel und -konsum zu legalisieren, wenn auch mit einigen Einschränkungen, hat die Debatte in anderen lateinamerikanischen Ländern angefeuert. Uruguay ist das erste und bislang einzige Land in Lateinamerika, das Marihuana freigibt. In der Bevölkerung steht allerdings eine Mehrheit diesem Schritt sehr skeptisch gegenüber. Nach einer Umfrage sind 63 Prozent der Bevölkerung dagegen. Das Repräsentantenhaus hat dem Gesetz schon zugestimmt, nun muss noch der Senat abstimmen. Präsident José Mujica sagte, die Marihuana-Legalisierung sei ein „Avantgarde-Experiment“. Die Regierung könne nun die Konsumenten identifizieren und Einfluss ausüben, „wenn sie Exzesse machen“.

In Mexiko wird eine Entkriminalisierung von einigen als Ansatz zur Beendigung der Gewalt rund um den Drogenhandel gesehen. Seit 2006 sind nach offiziellen Angaben etwa 50 000 Menschen bei den Kämpfen mit und zwischen den Drogenkartellen gestorben, andere Schätzungen rechnen mit einer noch viel höheren Opferzahl. Mitte Juli wurde der Chef des Kartells „Los Zetas“, einer der brutalsten Drogenkriminellen, verhaftet. Dies galt als großer Erfolg der Regierung von Präsident Enrique Pena Nieto. Das Drogenbusiness hat nicht nur zu einer extremen Gewaltwelle in Mexiko geführt, sondern die ganze Gesellschaft, den Staat und die Wirtschaft korrumpiert. Militärs und Polizisten, Politiker, Geschäftsleute und Journalisten werden von den Drogenkartellen bestochen. Nach Schätzungen des US-Justizministeriums machen die Kartelle in Mexiko und Kolumbien mit dem Drogenhandel jährlich bis zu 40 Milliarden Dollar Gewinn. Allerdings geht es bei ihrem Handel weniger um Marihuana, sondern vor allem um Kokain und Heroin sowie Amphetamine. Diese werden mit hohen Gewinnmargen nach Nordamerika geschmuggelt und verkauft. Nach Angaben des US-Justizministeriums kauft zum Beispiel das Sinaloa-Kartell ein Kilo Kokain im kolumbianischen Hochland für 2 000 Dollar, in Mexiko koste das Kilo dann 10 000 Dollar, beim Sprung hinter die US-Grenze steige der Verkaufswert auf 30 000 Dollar und beim Einzelverkauf in Gramm-Päckchen bringe es 100 000 Dollar

Erzbischof Cabrera veröffentlichte Anfang der Woche eine Presseerklärung, in der er Papst Franziskus zitierte, der sich bei seinem Besuch in einer Entzugsklinik in Rio de Janeiro vor zwei Wochen klar gegen eine Drogenfreigabe ausgesprochen hat: „Wir werden die Drogenverbreitung und -abhängigkeit nicht dadurch verringern, indem wir Drogen freigeben, wie es in einigen lateinamerikanischen Ländern diskutiert wird. Es ist notwendig, dass wir an die Wurzel des Übels herangehen.“ Das Übel des Drogenhandels, das Gewalt fördere und Schmerz und Tod säe, erfordere mutiges Handeln der gesamten Gesellschaft. Cabrera sagte, es sei ein großes Problem dabei, dass es keine offene gesellschaftliche Diskussion über die Suchtproblematik gebe. Neben aktuellen und früheren Abhängigen sollten Rehabilitationszentren, Polizei und Drogenhändler in die Diskussion eingebunden werden.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage sind 49,6 Prozent der Mexikaner gegen eine Legalisierung; 34 Prozent befürchten, dass ein solcher Schritt die Gewalt sogar noch verstärken könne. Die Kirche machte auf der Pressekonferenz deutlich, dass sie als größte Gefahr ansehe, dass die Freigabe von Marihuana den Weg zur Freigabe von noch schädlicheren, härteren Drogen ebnen könne.