Dringend notwendig: Mehr Priester- und Ordensberufungen

Bischof Felix Genn über fünfzig Jahre Bistum Essen – In manchen Stadtteilen leben mehr Muslime als Christen

Das Bistum Essen feiert am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen. Warum es trotz Strukturreform und Sparmaßnahmen in der flächenmäßig kleinsten deutschen Diözese Gründe zum Feiern gibt, darüber sprach Viola van Melis mit Bischof Felix Genn.

Herr Bischof, das Ruhrbistum feiert Jubiläum. Gibt es denn Grund zu feiern?

Auf jeden Fall haben wir Grund zu feiern. Viele Menschen im Ruhrbistum haben die 50 Jahre mitgestaltet und geprägt. Ihnen gilt es zunächst zu danken. Im übrigen verbinden wir mit der im Herbst dieses Jahres abgeschlossenen Strukturreform in unserem Bistum ja nicht nur Abbau, sondern sie bietet die Chance zur Bestandsaufnahme. Wir können ans Licht holen, wieviel Positives in 50 Jahren gewachsen ist, aber auch, was noch wachsen kann.

Welche Botschaft soll vom Jubiläum ausgehen?

Das Motto heißt „Leben im Aufbruch“. Wir wollen zeigen, dass im Ruhrgebiet in 50 Jahren nicht nur Katholikenzahlen und Kirchensteuereinnahmen gesunken sind, sondern dass wir trotz der Veränderungen nach wie vor eine Botschaft haben: Christsein ist immer noch die bessere Alternative, sein Leben zu gestalten.

50 Jahre sind Anlass zum Rückblick. Wer und was hat die flächenmäßig kleinste Diözese Deutschlands geprägt?

Die prägenden Gestalten waren sicherlich Bistumsgründer Bischof Franz Hengsbach und seine Weihbischöfe und Generalvikare. Ich denke auch an die Priester und anderen Mitarbeiter, die sich aus drei Diözesen zusammenfinden mussten. Wichtig waren zahlreiche ehrenamtliche Frauen und Männer in Verbänden und Pfarreien, die der Kirche in der Region von Kohle und Stahl ein Gesicht gaben. Es waren viele Herausforderungen zu meistern: Schon bei der Gründung war abzusehen, dass der Bergbau zurückgehen und einen wirtschaftlichen und sozialen Wandel mit sich bringen würde. Gleichzeitig wuchs der Zuzug von Menschen aus dem Ausland. Die Herausforderung, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen, hat das Bistum gut angenommen. Mit dem Rückgang der Zahl der Katholiken im Ruhrbistum zeichnete sich ab, dass die Zahl der Pfarreien und Einrichtungen so nicht bleiben konnte. Bereits mein Vorgänger, Bischof Hubert Luthe, hat auf diese Entwicklung reagiert und erste Schritte unternommen, die Umstrukturierung einzuleiten.

Was ist das Besondere an dieser Diözese?

Es ist eine stark städtisch und industriell geprägte Diözese. Es ist ein Bistum, das von Anfang an Menschen unterschiedlicher Kultur und Nationalität zu integrieren wusste. Hier leben viele muslimische Menschen, in manchen Stadtteilen mehr als Christen. Fremdenfeindlichkeit habe ich im Ruhrbistum noch nie gespürt.

Was wünschen Sie dem Bistum für die nächsten 50 Jahre?

Ich wünsche ihm glaubende Menschen, die die christliche Botschaft von ihren Müttern und Vätern ererbt haben und sie weitergeben wollen – lebendige Zeugen des Evangeliums. Vor allem dann werden auch die dringend notwendigen Berufungen im Priestertum und Ordensleben erwachsen.

Wird es das Bistum denn in 50 Jahren noch geben? Die evangelische Kirche will kleinere Landeskirchen zusammenlegen...

Ich gehe davon aus, dass es das Ruhrbistum auch in 50 Jahren noch geben wird. In Deutschland wird es keine Bistumsreform geben. Die Landkarte wird so bleiben.