Köln

Down-Syndrom: Ethik-Experte Losinger fordert Hilfe statt Bluttests

Eltern, die sich der Aufgabe der Annahme eines Menschen mit Behinderung stellen, müsse man „maximale Hilfe“ zur Verfügung stellen, so der Augsburger Weihbischof und Ethik-Experte Anton Losinger.

Debatte um vorgeburtliche Bluttests
Angesprochen auf vorgeburtliche Bluttests, mit denen unter anderem das Down-Syndrom festgestellt werden kann, und deren Kosten die Krankenkassen seit September in Einzelfällen übernehmen, meint Losinger: „Dieser wissenschaftliche Fortschritt hat ein doppeltes Gesicht.“ Foto: Bernd Thissen (dpa)

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger fordert mehr Unterstützung für Eltern, die sich der Aufgabe der Annahme eines Menschen mit Behinderung stellen. Ihnen müsse man „maximale Hilfe“ zur Verfügung stellen, so das frühere Mitglied des Deutschen Ethikrats im Gespräch mit dem Kölner Domradio. „Eine Gesellschaft zeigt ihr wahres, humanes Antlitz immer darin, wie sie mit den Schwächsten in ihrer Mitte umgeht.“

Wissenschaftlicher Fortschritt hat doppeltes Gesicht

Eltern, deren Kind etwa mit Trisomie 21 diagnostiziert worden sei, müsse man „Hilfe, Beratung und Maßnahmen anbieten, die ihnen auch helfen, dieses werdende Leben entsprechend anzunehmen“. Angesprochen auf vorgeburtliche Bluttests, mit denen unter anderem das Down-Syndrom festgestellt werden kann, und deren Kosten die Krankenkassen seit September in Einzelfällen übernehmen, meint Losinger: „Dieser wissenschaftliche Fortschritt hat ein doppeltes Gesicht.“

Auf der einen Seite stünden die dramatischen Fortschritte in den Möglichkeiten, Krankheiten zu erkennen und zu heilen. Auf der anderen Seite stehe das Problem, „dass die Feststellung eines genetischen Defekts in den allermeisten Fällen heute dazu führt, dass das Leben eines solchen menschlichen Embryos, eines werdenden Kindes, beendet wird“. Statistische liege die Quote hier bei etwa 90 Prozent.

Frage nach der ethischen Verantwortung stellen

Alles, was die Wissenschaft kann, werde sie auch tun, so Losinger weiter. Doch man müsse die Frage aufwerfen nach den Folgen eines solchen Handelns, „das ohne ethische Verantwortung, ohne eine nüchterne wissenschaftliche Technikfolgenabschätzung funktioniert“.

Indes gibt es seit kurzem neben den pränatalen Bluttests noch einen weiteren nichtinvasiven Test, mit dem im Blut der Mutter erstmals auch nach monogenetischen Erkrankungen des Ungeborenen gefahndet werden kann. Seit einigen Wochen wird der Tes von einem Heidelberger Start-up vertrieben.  Die Arbeitsgruppe Gesundheit innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion warnte davor, dass die Bluttests den Druck auf Schwangere verstärken könnten, nur noch ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

DT/mlu

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