„Dieser Krieg hat apokalyptische Ausmaße“

Die Patriarchen Louis Raphael Sako und Gregorios III. Laham rufen die Christen an Aschermittwoch zu Gebet und Fasten für Nahost auf

Damaskus/Bagdad (DT/KAP/dpa) Die mit Rom unierten Patriarchen der Chaldäer und der Melkiten, Louis Raphael Sako und Gregorios III. Laham, rufen für Aschermittwoch zu Gebet und Fasten für den Frieden im Nahen Osten auf. Der Krieg im Irak und in Syrien habe „apokalyptische Ausmaße“ angenommen und die größte humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst, zitierte das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ am Montag aus einem Brief Sakos an die Gläubigen: „Beten und fasten Sie, damit wir in unserer geliebten Heimat bleiben können. Damit es auch für uns eine Auferstehung aus den Trümmern, ein Ostern im Land Abrahams geben kann.“

Seit Kriegsbeginn vor fünf Jahren hat etwa eine Million Christen Syrien verlassen. Im Irak ist die Anzahl der Christen seit dem Einmarsch der US-Truppen 2003 von 1,1 Millionen auf unter 300 000 gesunken. Die meisten von ihnen sind in eines der Nachbarländer geflohen; dort warten „unzählige Kinder in den Flüchtlingslagern auf tägliches Brot, sie dürsten aber auch nach Zukunft, sie wollen Schulen und ein Zuhause. Sie wollen zurück in ihre Heimat, so wie ihre Eltern und Verwandten“, heißt es in dem Schreiben des chaldäischen Patriarchen. Ohne die Hilfe aus dem Westen „wären viele von uns tot, verhungert oder erfroren“.

In der Botschaft des melkitischen (griechisch-katholischen) Patriarchen Gregorios III. Laham heißt es: „Da nun der Aschermittwoch naht, möchte ich sie herzlich darum bitten, sich uns zu einem Tag des Fastens und des Gebets anzuschließen, an dem wir gemeinsam Gott anflehen möchten, dass er unserem Land endlich den ersehnten Frieden schenken möge.“ Tag für Tag werde der Glaube der Menschen auf die Probe gestellt, wenn sie „das Leid der Kinder und den Schmerz der Eltern“ sehen. „Wir sind umgeben von Hass und Tod.“

Nach dem Vormarsch der syrischen Regierungstruppen im Norden des Landes wird die Lage von zehntausenden Flüchtlingen an der Grenze zur Türkei bei Wintertemperaturen immer schwieriger. Die Situation der Menschen sei verzweifelt, erklärte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) am Montag. Laut Schätzungen seien fast 80 000 Syrer auf der Flucht in Richtung der syrischen Stadt Asas und des türkischen Grenzübergangs bei Kilis. Dort warteten bereits rund 10 000 Menschen. Zuletzt hatte es nach unterschiedlichen Angaben geheißen, in der Nähe von Asas harrten zwischen 30 000 und 50 000 Menschen aus.

Die Türkei versorgt die Flüchtlinge nach eigenen Angaben mit Hilfsgütern und will auf syrischer Seite Lager aufbauen, verweigert ihnen aber bisher den Grenzübertritt. Es mangele an Unterkünften, Trinkwasser und sanitären Einrichtungen, sagte die Leiterin der Syrien-Mission von MSF, Muskilda Zancada. Die syrische Armee und ihre Verbündeten waren in der vergangenen Woche mit Hilfe russischer Luftunterstützung in der Region vorgerückt und hatten die neue Massenflucht ausgelöst. Die Regimeanhänger wollen die von Rebellen beherrschten Teile der Stadt Aleppo von der Außenwelt abschneiden. Aktivisten warnen, dann drohe in der nordsyrischen Metropole eine neue humanitäre Katastrophe.

Die deutsche Regierung sieht für die Einrichtung von Schutzzonen für syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze erhebliche Probleme. Es sei auch bei früheren Vorstößen nicht zufriedenstellend beantwortet worden, „auf welcher völkerrechtlichen Grundlage und mit welchen militärischen Mitteln“ solche Schutzbereiche auf syrischer Seite eingerichtet und verteidigt werden könnten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag in Berlin.