Die zornigen alten Männer

Neu waren weder die Forderungen noch jene, die sie präsentierten, allenfalls der zur Schau getragene Zorn der Altherrenriege, die da am Freitag in Wien gegen Papst und Bischöfe wetterte. Keine linken Revoluzzer, erst recht keine frechen Jungen, sondern bürgerliches Establishment mit grauen Schläfen präsentierte sich da als Speerspitze der Kirchenreform (siehe Bericht Seite 5). Lauter altbekannte Gesichter des linkskatholischen ÖVP-Milieus, ehrwürdige Pensionisten, die seit Jahr und Tag gegen die angeblich verknöcherte Kirche und ihre uneinsichtigen Repräsentanten meckern. Der Altersdurchschnitt des Podiums der selbsternannten Kirchenerneuerer liegt weit über dem der Bischofskonferenz, vermutlich auch über dem des jüngsten Konklaves – aber das soll kein Kriterium sein.

Müssten solche Veteranen, die mit den vorgestrigen Rezepten Mutter Kirche niedrigschwellig attraktiv machen wollen, nicht ins Grübeln kommen, wenn sie die Bilder von Weltjugendtagen sehen? Hier raunzende Greise, die 1968 ihre besten Tage hatten, dort eine begeisterte Jugend, die ein fröhliches, frisches, anspruchsvolles Christsein feiert. Müssten die Kirchenvolksbegehrer aller Schattierungen nicht in die Altersdepression schlittern, wenn sie die Dynamik der jungen Kirche in Afrika, Asien oder Lateinamerika sehen? Kein Wunder, dass gegen Diakone, ausländische Priester und junge Priesteramtskandidaten gelästert wird. Wer immer das Niveau heben will, macht sich verdächtig.

Liegt die Zukunft der Kirche tatsächlich in der ungebremsten Angleichung an die Welt mit ihrer Anspruchs- und Gleichberechtigungslogik, dann ist wohl wirklich unverständlich, warum Frauen nicht auch Priesterinnen werden dürfen, warum Laien nicht auch Pfarrgemeinden leiten und Sakramente spenden sollen. Wenn die Kirche nicht mehr und in ihrem innersten Wesen anders ist als all die Vereinchen und Verbändchen, denen die alten Herren der „Laieninitiative“ in Führungsfunktionen angehörten, dann hätten sie möglicherweise ja Recht. Aber wenn die Kirche nur unsere, und nicht Seine wäre, wenn sie nicht das pilgernde Volk Gottes und der mystische Leib Christi wäre, dann lohnte es sich doch gar nicht, für sie zu streiten und zu leiden. sb