„Die Kraft der Zukunft findet sich in euch selbst“

Seid selbstbewusst, verantwortungsvoll und glaubt an Jesus Christus: Die Botschaft des Papstes an die Kirche in Afrika

Benedikt XVI. hat in Afrika die christliche Hoffnung verkündet. Unbeeindruckt von den Rezepten, die der industrialisierte Westen für den schwarzen Kontinent bereithält, hat der Papst die Antwort in den Mittelpunkt gerückt, die die Kirche auf die Fragen und Ängste der Menschen in den Ländern Schwarzafrikas geben kann: „Nehmt die Herausforderung des großen Erbes des Evangeliums an“, sagte er etwa am Sonntag während der Messe in Luanda. „Begreift, dass die Kirche in Angola und in ganz Afrika die Aufgabe hat, vor der Welt ein Zeichen der Einheit abzugeben. Einer Einheit, zu der die ganze menschliche Familie durch den Glauben an Christus, den Erlöser, aufgerufen ist.“ Besonders für die Jugendlichen fügte er hinzu: „Beginnt ab heute, eure Freundschaft mit Jesus wachsen zu lassen, der ,der Weg, die Wahrheit und das Leben ist‘. Werdet Bekehrer eurer Freunde und führt sie mit eurem persönlichen Beispiel dazu, die Schönheit und Wahrheit des Evangeliums zu schätzen – in eine Zukunft, die nach den Werten des Reiches Gottes gestaltet ist.“

Diese Antwort hat Papst Benedikt während der siebentägigen Afrika-Reise, die ihn in die Hauptstädte Kameruns und Angolas führte, immer wieder durchbuchstabiert. Der mediale Lärm, der die Wahrnehmung dieses historischen Pastoralbesuchs – ob der deutsche Papst jemals wieder den afrikanischen Kontinent betreten wird? – in Europa überlagert hat, ausgelöst durch die klaren Worte Benedikts zum Wert von Präservativen im Kampf gegen Aids, hat aber genau das nicht durchdringen lassen. Ein Papst ist eben doch kein religiöser Abklatsch des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, auch kein spiritueller Führer, der das Konzert der Religionen dirigiert. Mit seinem Besuch des schwarzen Kontinents, bei dem Joseph Ratzinger zum ersten Mal als Nachfolger Petri die Welt des Westens vollständig verlassen hat – auch die Türkei gehört letztlich schon dazu –, hat Benedikt XVI. wieder gezeigt, dass die Kirche und allen voran der Papst treue Verwalter des einen Evangeliums Jesu Christi sind. Und nur eine Antwort geben können: die des Glaubens. Eines Glaubens allerdings, der so konkret und umfassend ist, dass er den ganzen Menschen und seine Lebensumstände verwandeln kann.

Papst Benedikt hat deshalb in Kamerun und in Angola vor allem die katholischen Gläubigen angesprochen, diesen Glauben zu vertiefen und mit seinen Pfunden zu wuchern. Am Freitag etwa, bei seiner Ankunft in Luanda, war seine Botschaft die, das von Bürgerkrieg und Armut zernarbte Angola solle sich wieder seines reichen geistlichen und kulturellen Erbes bewusst werden und seinen wachsenden Reichtum dazu nutzen, „Frieden und Verständigung zwischen den Völkern zu fördern“. So könne das Land dazu beitragen, Afrika eine „friedliche und solidarische Zukunft“ zu verschaffen. „Darum bitte ich euch“, fuhr Papst Benedikt fort: „Kapituliert nicht vor dem Recht des Stärkeren! Gott macht es den Menschen möglich, mit den Flügeln von Verstand und Glaube über seine natürlichen Tendenzen hinauszufliegen. Wenn ihr euch von diesen Flügeln tragen lasst, dann werdet ihr in den anderen eure Brüder erkennen, die die gleichen grundlegenden Rechte haben.“

Dabei fiel auf, dass der Papst Afrika nicht als kranken Kontinent ansprach, bei dem man zuerst an Aids denkt und der nur noch am Tropf der Staatengemeinschaft und internationalen Organisationen hängt. Zwar forderte er in Luanda bei seiner Ansprache vor dem Diplomatischen Corps die Industriestaaten auf, ihre Versprechen wahr zu machen die Zahlungen für die Entwicklungshilfe in den afrikanischen Ländern zu erhöhen. Auch sprach er von Afrika als einem Kontinent, der immer noch „Ort schwerer Tragödien“ ist. Aber immer wieder stärkte er das Selbstbewusstsein seiner Zuhörer und rief sie dazu auf, ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen. Hier wandte er sich vor allem an die Katholiken, die mit ihrem Glauben den wirksamsten Schatz in den Händen hielten, um den Frieden, die Gerechtigkeit und die Versöhnung in Afrika herbeizuführen. „Christus hat uns die Botschaft von der Würde und dem Wert jedes Menschen gelehrt“, sagte er zum Gebet des Angelus am Sonntag in Luanda. „Mögen die Katholiken in ganz Afrika immer mehr ein Ferment christlicher Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein.“

Papst Benedikt ging nach Afrika, um den Glauben seiner Brüder zu stärken. Bewegende Worte fand er da bei den Kranken und Leidenden in Yaoundé an seinem Namenstag. Aber auch in Luanda, als er am Samstag mit der Jugend zusammentraf und unter den jungen Angolanern einige sah, „die wegen des Krieges und der Landminen verstümmelt sind. Und ich denke an die unzähligen Tränen, die viele von euch vergossen haben, als Angehörige eurer Familien starben. Es fällt nicht schwer, sich auszumalen, welche dunklen Wolken über euren Erwartungen an das Leben hängen“. Auch diesen vielleicht verbitterten Jugendlichen, deren Leben zerstört erscheint, wollte der Papst Hoffnung geben: Die Erneuerung beginne im Inneren eines Menschen. „Die dynamische Kraft der Zukunft findet sich in euch selbst!“ Sie sei wie ein Samenkorn. Zwar sei ein Samenkorn etwas sehr Unscheinbares, aber es trage die ganze Zukunft in sich, meinte der Papst und fuhr aufmunternd fort: „Meine Freunde, ihr seid die Samenkörner, die Gott auf der Erde ausgestreut hat; ihr tragt im Herzen eine Kraft aus der Höhe, die Kraft des Heiligen Geistes. Um allerdings Früchte zu tragen, müsst ihr bereit sein, euer Leben hinzugeben. So wie Jesus es uns vorgemacht hat: Seine Kreuzigung schien das völlige Scheitern, aber sie war es nicht! Er wurde zum Samenkorn, das Frucht brachte in jeder Zeit und für alle Zeiten! Die Kraft der Zukunft findet sich in euch selbst.“

Papst Benedikt kam, um zunächst den Katholiken und dann allen Menschen guten Willens in Afrika den Rücken zu stärken. Nicht als geistlicher Kolonialherr oder einer, der ausschließlich Klage über den Materialismus und Hedonismus führt. Die Antworten, die Afrika braucht, sind schon dort. Es ist der Glaube an Jesus Christus, der zu einer wahren Humanisierung der Kultur – die Sexualität eingeschlossen – und des Zusammenlebens der Völker führt. Deutlich auch der Aufruf des Papstes zur Mission: „Wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass ohne Christus das Leben unvollständig ist und eine fundamentale Wirklichkeit fehlt“, sagte er beim Gottesdienst am Sonntag in Luanda, „dann müssen wir tatsächlich auch überzeugt sein, dass wir an niemandem ein Unrecht begehen, wenn wir ihm Christus zeigen und ihm die Möglichkeit geben, so zu seiner wahren Authentizität zu finden, ja die Freude geben, das Leben gefunden zu haben. Im Gegenteil, wir sollen es sogar tun, es ist unsere Pflicht, allen diese Möglichkeit anzubieten, damit sie das ewige Leben erlangen.“

Afrika kann und muss seine Zukunft selber in die Hand nehmen. Das war die Botschaft des Papstes. Und mit dem Glauben an das Evangelium Christi sei dort bereits das Wesentliche vorhanden, um die „Wolken des Bösen“ zu vertreiben. Zwei tote Jugendliche hat es bei einer Panik in Luanda gegeben. Und der Papst selber litt unter der physischen Anstrengung der Reise. Aber diesen Grund zur Hoffnung wollte Benedikt XVI. unbedingt nach Afrika bringen.