Die Kirche wirbt für den Frieden

Kriege in Nahost und Nordafrika werden „immer als Kreuzzug“ missverstanden, warnen die katholischen Bischöfe des Maghreb

Nordafrikas Bischöfe mahnen in einem Friedensappell, Rache und Hass zu überwinden. Foto: dpa
Nordafrikas Bischöfe mahnen in einem Friedensappell, Rache und Hass zu überwinden. Foto: dpa

Rom (DT/KNA/KAP) Die katholischen Bischöfe des Maghreb haben sich für eine diplomatische Lösung der Konflikte in ihrer Region ausgesprochen. „Ein Krieg löst nichts, und – einmal ausgebrochen – ist er unkontrollierbar wie eine Nuklearexplosion“, heißt es in einem Appell der Bischöfe Nordafrikas anlässlich der Londoner Libyen-Konferenz. Erste Leidtragende dieser Gewalt seien die Armen und Schwachen, heißt es in dem vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Vincent Landel von Rabat, verbreiteten Text. Zudem werde ein solcher Krieg in Nahost und Nordafrika „immer als Kreuzzug verstanden – ob man will oder nicht“, betonte Landel. Das habe unvermeidlich Rückwirkungen auf das Zusammenleben von Christen und Muslimen. Es gelte nun, eine „gerechte und für alle würdige Lösung“ in diesem schmerzlichen Konflikt zu finden, so die Bischöfe. Der „Wind der Veränderung“, der gegenwärtig die ganze Region durchziehe, beinhalte eine „berechtigte Forderung nach Freiheit, Gerechtigkeit und Würde“, vor allem für die jüngere Generation. Ausdrücklich begrüßte der Erzbischof den Appell des Papstes für eine Ausschöpfung aller diplomatischen Möglichkeiten. Ziel der Vermittlungen müsse es sein, die Konfliktparteien in Libyen auf einen Verhandlungsweg zu bringen, auf dem sie selbst eine ehrenvolle Lösung für sich finden könnten. Sie müssten sich an einen Tisch setzen, um die Brüche zu kitten und Rache und Hass zu überwinden, so der Bischofsappell.

Auch der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, fordert eine diplomatische Lösung für den Konflikt. Das militärische Eingreifen der Staatengemeinschaft habe „Fragen und Spannungen“ hervorgerufen, sagte Bagnasco in Rom. „Wir glauben, dass eine diplomatische Lösung der richtige und mögliche Weg ist“, heißt es in der vom „Osservatore Romano“ veröffentlichten Rede. Italiens Bischöfe schlössen sich dem Appell des Papstes zu einem baldigen Friedensschluss und zum Schutz der Bevölkerung an.

Der Vatikan war bei der am Dienstag in London tagenden Internationalen Libyen-Konferenz mit einem Beobachter vertreten. Erzbischof Antonio Mennini, Nuntius in Großbritannien, hat für den Heiligen Stuhl an der Tagung teilgenommen. Am Sonntag hatte Benedikt XVI. ein Ende der Kämpfe gefordert und die internationale Gemeinschaft zur Suche nach einer diplomatischen Lösung aufgerufen. In einem so dramatischen Moment müsse man alle Mittel der Diplomatie nutzen und auch „die schwächsten Signale einer Öffnung und eines Versöhnungswillens unterstützen“.

Der Erzbischof in Tripolis, Giovanni Martinelli, bezeichnete diesen Appell als Ermutigung und Bestärkung für einen Frieden. Er habe den Papst-Appell sofort auf Arabisch übersetzt und dem libyschen Außenministerium zur Kenntnis zugeleitet, so Martinelli gegenüber dem Missionspressedienst „Fides“. Er selbst habe nicht an der am Samstag von Präsident Gaddafi organisierten Kundgebung zur Einheit des Landes teilgenommen oder sie unterstützt. Das hätte er nur getan, wenn es eindeutig um eine Kundgebung für den Frieden gegangen wäre. Martinelli sagte, dass die Lebensumstände in der Hauptstadt „nicht einfach“ seien. Benzin beginne knapp zu werden. An den Tankstellen müsse man stundenlang anstehen. Auch werde es zunehmend schwierig, Lebensmittel zu kaufen.

Eine weitere Eskalation der Gewalt in Libyen müsse verhindert werden, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Kommission „Justitia et Pax“, Bischof Stephan Ackermann, am Dienstag in Bonn. Es müsse jetzt darum gehen, „die Ziele der Gewalteindämmung und des Schutzes der Zivilbevölkerung glaubwürdig miteinander zu verbinden“. Die militärische Durchsetzung eines Regimewechsels in Libyen sei weder durch die UN-Resolution 1973 noch durch die kirchliche Friedenslehre gedeckt. Ackermann lobte, dass die internationale Koalition ein Massaker an der Bevölkerung von Bengasi habe verhindern können. Er kritisierte zugleich, dass es keine Klarheit über die politischen und militärischen Ziele des Eingreifens gebe. Auch eine „langjährige doppelbödige Politik gegenüber Libyen sowie die mangelhafte Bereitschaft, frühzeitige und energische Signale in einem früheren Stadium gegen die Gewalteskalation in Libyen zu setzen“, trage zu den Irritationen bei. Der Bischof mahnte, die Auswirkungen des Libyen-Engagements auf den gesamten arabischen Raum im Blick zu halten.

Nordafrikas Bischöfe mahnen in einem Friedensappell, Rache und Hass zu überwinden. Foto: dpa