Die Kirche wächst

Weltweit gibt es eine Milliarde und 181 Millionen Katholiken – Nur in Europa nehmen die Zahlen von Gläubigen und Geistlichen ab. Von Guido Horst

Papst Benedikt XVI. – er muss weltweit die Katholiken zusammenhalten. Foto: dpa
Papst Benedikt XVI. – er muss weltweit die Katholiken zusammenhalten. Foto: dpa

Rom (DT/gho) Am vergangenen Samstag konnte Papst Benedikt XVI. eine gute Nachricht aus den Händen seines Kardinalstaatssekretärs entgegennehmen. Das jüngste Päpstliche Jahrbuch für 2011, ein roter Band von an die zweieinhalbtausend Seiten, in dem alles verzeichnet ist, was an kirchlichen Daten, Namen und Einrichtungen offiziell und wichtig ist, belegt in seinem statistischen Teil ein weiter anhaltendes Wachstum der katholischen Kirche. Kardinal Tarcisio Bertone überreichte jedoch dem Papst nicht nur die neue Ausgabe des katholischen Vademecums, sondern ließ auch über die Pressestelle des Vatikan einige Daten zusammenfassen.

So ist im Berichtsjahr 2009 die Zahl der Getauften im Vergleich zum Jahr davor nochmals um fünfzehn Millionen gewachsen. In absoluten Zahlen gab es 2009 in allen Teilen der Welt zusammengenommen eine Milliarde und 181 Millionen Katholiken. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das ein Wachstum von 1,3 Prozent dar. Um genau diesen Prozentsatz hat auch der Weltepiskopat zugenommen. Die katholische Kirche zählt heute 5 605 Bischofssitze, von denen Papst Benedikt im Jahr 2009 zehn neue sowie ein Exarchat und ein Vikariat errichtet hat.

Auch der katholische Klerus ist weiterhin auf Wachstumskurs. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Welt- und Ordenspriester um 1,34 Prozent zugenommen und ist von 405 178 im Jahr 2000 auf 410 593 im Jahr 2009 gestiegen. Nur eine Ausnahme gibt es: In Europa geht analog zu den katholisch Getauften auch die Zahl der Geistlichen zurück. 2009 war dort ein Minus von 0,8 Prozent bei den Diözesanpriestern und von rund einem Prozent bei den Ordenspriestern zu verzeichnen. In allen anderen Erdteilen nimmt die Zahl der Priester langsam, aber stetig zu: Laut Päpstlichem Jahrbuch gab es von 2008 auf 2009 ein Wachstum von 0,34 Prozent.

Weitaus stärker stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Ständigen Diakone an: Das Jahrbuch gibt für 2009 ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Bei diesem Trend allerdings macht auch Europa keine Ausnahme.

Dramatisch bleibt in der katholischen Kirche der Schwund an Ordensfrauen. Auch wenn es in Afrika und Asien mehr Berufungen gibt, ist ihre Zahl in der ganzen Welt in einem Jahr um zehntausend zurückgegangen und liegt nun bei rund 730 000. Dagegen spiegeln die Zahlen der Seminaristen die Entwicklung der Priesterzahlen wieder. In der Weltkirche gibt es einen leichten Zuwachs, in Europa ein kräftiges Minus: Von 2008 auf 2009 gibt das Jahrbuch für den alten christlichen Kontinent 1,64 Prozent weniger Priesteramtsanwärter an. Gute Zahlen dagegen in Afrika und Asien fangen den Priesterrückgang in Europa jedoch wieder auf.

Die neue Zahlen des Päpstlichen Jahrbuchs dürften nicht ohne Folgen bleiben für die innerkirchlichen Diskussionen in Deutschland. In dem von mehr als 200 Professoren unterzeichneten Memorandum wird zu Reformen aufgerufen, die in wesentlichen Punkten, zum Beispiel Zölibat und Frauenweihe, eine Abkehr von der Praxis der Weltkirche bedeuten. Die neuen Zahlen belegen indes ein anhaltendes Wachstum der Weltkirche. Auch die Zahl der katholischen Priester hat weltweit zugenommen.