Die Botschaft ist angekommen

Franziskus hebt bei einem Treffen mit den Bischöfen von Myanmar die Leistung der Kirche im Versöhnungsprozess hervor.

Papst Franziskus in Myanmar
Auch ein interreligiöses Zeichen setzte der Papst: Aus Ehrfurcht zog er seine Schuhe aus, bevor er die Kaba Aye-Pagode besuchte. Foto: dpa
Papst Franziskus in Myanmar
Auch ein interreligiöses Zeichen setzte der Papst: Aus Ehrfurcht zog er seine Schuhe aus, bevor er die Kaba Aye-Pagode b... Foto: dpa

Rangun (DT/KNA/KAP) Papst Franziskus hat die Minderheit der Katholiken in Myanmar im Einsatz für Menschenwürde und die Verkündigung des Glaubens bestärkt. Die Kirche in dem südostasiatischen Land bezeuge durch ihre „erzieherischen und karitativen Werke, ihre Verteidigung der Menschenrechte und ihre Unterstützung der demokratischen Prinzipien täglich das Evangelium“, sagte er am Mittwochabend (Ortszeit) bei einer Begegnung mit den 22 Bischöfen des Landes. Franziskus gebe den Katholiken im Land durch seinen Besuch „Mut, Freude und Hoffnung“, wandte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Felix Lian, zu Beginn des Treffens am Sitz des Erzbischofs von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, an den Papst. Myanmars Katholiken versuchten, „ihren Glauben zu leben und zu bezeugen“ und am Friedensprozess im Land sich zu beteiligen. Franziskus ermutigte danach in seiner Rede die Bischöfe, mit der Kirchengemeinschaft weiterhin eine „konstruktive Rolle im Leben der Gesellschaft einzunehmen“. Dabei gelte es besonders, „auf die Achtung der Würde und der Rechte aller“ zu bestehen, so Franziskus.

„Die katholische Gemeinschaft in Myanmar kann auf ihr prophetisches Zeugnis der Liebe zu Gott und zum Nächsten stolz sein, lobte der Papst. Dies zeige sich besonders bei der Hilfe für Arme und Flüchtlinge sowie allen, „die ihrer Rechte beraubt sind“. Die christliche Botschaft von Einheit, Liebe und Heilung sei in Myanmar angekommen. Das Land befinde sich nach konfliktreichen Jahren auf dem Weg zu Einheit und Frieden. Die erste Aufgabe der Kirche sei es zu heilen – Seelen, Herzen und körperliche Wunden. Dies sei nun die Aufgabe der Bischöfe. Der Papst bat sie ausdrücklich, seinen Dank an alle weiterzugeben, die „dem Nächsten in Not ungeachtet seiner Religion oder seiner ethnischen Herkunft den Balsam der Heilung“ bringen.

Zudem mahnte Franziskus die Bischöfe zu weiteren Schritten in der Ökumene und im interreligiösen Dialog. Sie müssten „wie gute Hirten den Geruch ihrer Schafe, aber auch den Geruch Gottes annehmen“ und die Menschen begleiten. Besonders sollten sie sich um die Jugend kümmern und junge Leute in die Vorbereitungen für die Weltbischofssynode zum Thema Jugend, die im Oktober 2018 stattfindet, einbeziehen. Darüber hinaus betonte er, wie wichtig gut ausgebildete Katecheten für das Leben der Gemeinde seien. Nach unterschiedlichen Schätzungen leben heute bis zu 750 000 Katholiken in Myanmar. In dem mehrheitlich buddhistischen Land mit 55 Millionen Einwohnern aus 135 Ethnien bilden sie damit eine kleine Minderheit von etwas mehr als einem Prozent. Insgesamt gibt es 16 Diözesen – darunter die drei Erzdiözesen Rangun, Mandaly und Taunggyi – mit an die 400 Pfarren. In der Seelsorge wirken knapp 1 000 Priester, mehr als 2 000 großteils weibliche Ordensleute sowie mehrere tausend Katecheten und Laienmissionare.

Nach seinem Treffen mit den Bischöfen segnete der Papst 16 Grundsteine, die zur Errichtung der ersten Vatikanbotschaft in Myanmar sowie einiger Kirchen und eines Priesterseminars dienen sollen. Auch ein Gruppenfoto mit 300 Seminaristen sowie eine kurze private Begegnung mit etwa 30 örtlichen Mitgliedern des Jesuitenordens, dem auch der Papst angehört, standen auf dem Programm.

Nach anfänglicher Zurückhaltung widmen sich die Medien in Myanmar am Mittwoch ausführlich dem Besuchsprogramm des Papstes. Im Fokus stehen die protokollarischen und politischen Termine, die Franziskus am Dienstag in der Hauptstadt Naypyidaw absolvierte. „Der Papst fordert Frieden und Gleichheit“, lautet die Schlagzeile auf der Titelseite der „Global New Light of Myanmar“. Unter der Überschrift prangt auf der staatlichen Tageszeitung ein mehrspaltiges Foto der in ein traditionelles Outfit gewandeten Staatsrätin Aung San Suu Kyi und des Papstes. „Die Zukunft Myanmars muss der Friede sein – ein Friede, der sich auf die Achtung der Würde und der Rechte eines jeden Mitglieds der Gesellschaft gründet, auf die Achtung jeder ethnischen Gruppe und ihrer Identität, auf die Achtung des Rechtsstaates und einer demokratischen Ordnung, die es dem Einzelnen und jeder Gruppe – niemand ausgeschlossen – erlaubt, seinen legitimen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten“, zitiert das Blatt das Kirchenoberhaupt. Das Zitat aus der Rede von Aung San Suu Kyi, die vor dem Papst gesprochen hatte, fiel um einiges kürzer aus: „Der Weg zum Frieden ist nicht immer reibungslos.“ Das Thema „Frieden und Versöhnung“ stellen auch andere Medien in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung. „Papst setzt sich für Minderheiten ein“, titelt die „Myanmar Times“. Im Untertitel hieß es: „Die bedeutsamste christliche Führungspersönlichkeit äußerte einen starken Appell zum Schutz der Minderheiten und rief die Religionsgemeinschaften zur Versöhnung auf.