Berlin

Der nächste Akt im CDU-Theater

Friedrich Merz und Armin Laschet wollen Parteivorsitzende werden. Zum Showdown wird es aber erst beim Parteitag im April kommen.

Pressekonferenz Laschet und Spahn
Als "Überraschungsgast" hatte Armin Laschet Jens Spahn mitgebracht hat, der zumindest in sicherheitspolitischen Fragen deutlich rechts vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten steht. Foto: Kay Nietfeld (dpa)

Seit Wochen schaut das deutsche Publikum gebannt auf dieses Stück, das die Führungsriege der CDU auf der politischen Bühne aufführt. Nun beginnt der nächste Akt   und dieser wird darüber entscheiden, ob die Theaterkritiker späterer Zeit einmal von einem Drama oder einer Komödie sprechen werden, die Groteske steht freilich auch noch zur Auswahl. Und natürlich gibt es unter den Beteiligten eine große Hoffnung auf ein "Happy End". Am vergangenen Dienstag hatten nun die Helden ihren Auftritt. Erst erklärte Armin Laschet seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz, dann Friedrich Merz. Und seit letzter Woche gibt es ja auch noch einen Dritten: Norbert Röttgen. Aber im Moment sieht es wohl eher so aus, dass der Sonderparteitag, der nun für Ende April festgesetzt worden ist, zum Showdown zwischen Merz und Laschet wird. Was freilich nicht heißt, dass Röttgen völlig unbedeutend ist. Er könnte zum entscheidenden Joker werden.

"Friedrich Merz versprüht Aufbruchstimmung.
Er verkörpert durch seine exzellenten Fähigkeiten
und persönlichen Leistungen Wirtschaftskompetenz
wie wir sie dringend brauchen"
Sylvia Pantel, Sprecherin des Berliner Kreises

Beide Auftritte der Kandidaten waren so konzipiert, dass die jeweiligen Anhänger das zu hören bekamen, was sie von ihren Matadoren erwarten. Die Reaktionen auf Merz, den Hoffnungsträger der Konservativen und Wirtschaftsliberalen, fallen denn bei Vertretern dieser Flügel auch entsprechend positiv aus. "Friedrich Merz versprüht Aufbruchstimmung. Er verkörpert durch seine exzellenten Fähigkeiten und persönlichen Leistungen Wirtschaftskompetenz wie wir sie dringend brauchen", erklärte etwa Sylvia Pantel, die Sprecherin des Berliner Kreises, eines Zusammenschlusses konservativer Unionsabgeordneter, gegenüber dieser Zeitung. Alexander Mitsch, Vorsitzender der WerteUnion, betonte gegenüber der "Tagespost", dass es bei der bevorstehenden Wahl um eine grundlegende Richtungsentscheidung für die Union gehe. "Setzt sich Laschet durch, ist zu erwarten, dass der Merkelkurs fortgesetzt wird, mit allen negativen Konsequenzen." Bezeichnend sei, dass Laschet vor allem Lob von rot-grüner Seite bekomme. 

Auch Mechthild Löhr, die Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben, hebt die Wirtschaftskompetenz von Friedrich Merz hervor: Dank dessen "klarer ordnungspolitischer Orientierung" könne dieser schärfer die Unterschiede gegenüber Rot-Grün herausstellen. Grundsätzlich sei es aber gut für die Partei, dass bei der Neuwahl personelle wie inhaltliche Alternativen zur Wahl stünden.

Der neue Chef muss auch die Katholiken ansprechen

Für welche Alternativen stehen aber die Zwei? Friedrich Merz hat vor allem zwei Punkte hervorgehoben: die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft und einen starken Rechtsstaat. Dass Merz vor allem mit seinen Anmerkungen zur Migrationspolitik und einem entschiedeneren Vorgehen gegenüber kriminellen Clans sofort bei linksliberalen Medien Bedenken wegen seiner angeblich zu brutalen Sprache ausgelöst hat, muss ihm mit Blick auf seine Unterstützer keine Sorge machen. Dass Merz sich auch als rhetorische Alternative zu Angela Merkel präsentiert, mag mit seine guten Umfragewerte erklären. Allerdings darf er nicht vergessen, dass er zum Vorsitzenden nicht von den Deutschen, sondern CDU-Parteitagsdelegierten gewählt werden will.

Vielen von denen sprach vermutlich eher Armin Laschet aus dem Herzen, als er bei seinem Auftritt die Integrationskraft der Union und die Notwendigkeit zur Versöhnung zwischen allen Flügeln betont hat. Als Überraschungsgast hat er Jens Spahn mitgebracht hat, der zumindest in sicherheitspolitischen Fragen deutlich rechts von dem ehemaligen Rita Süssmuth-Referenten Laschet steht. Gleichwohl als NRW-Ministerpräsident hat er seine Integrationskraft in die verschiedenen Lager hinein durchaus bewiesen. Und für Katholiken interessant: Ein wichtiger Vordenker der Laschet-Regierung ist mit der Chef der NRW-Staatskanzlei Nathanael Liminski immerhin der Gründer der "Generation Benedikt". Der dürfte wissen, dass sein Chef auch die Katholiken ansprechen muss, wenn er gewinnen will.

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