Der große Unterschied

Der Unterschied im Ziel ist marginal. Sowohl Hessens Roland Koch als auch seine Kritiker in puncto Kinderbetreuung denken in erster Linie an die Wirtschaft. Koch, weil er die Ohnmacht des Staates und die Gefahren der Überschuldung sieht. Ministerin Schröder und Co., weil sie die Krippen ausbauen wollen, um Frauen für die Betriebe zu emanzipieren, von den Kindern „entlasten“, also tagsüber trennen, wollen. Denn die Betriebe wollen an die stille Reserve der jungen, gut ausgebildeten Frauen. Sie gehören zu den raren Fachkräften und sind preiswerter zu haben als Männer. Wenn diese Frauen noch Mütter sind, umso besser, weil sie dann pflichtbewusster sind, weniger fordernd auftreten und den Betrieb nicht wechseln. Man könnte das als Ausbeutung bezeichnen.

Der Unterschied liegt in der ehrlichen Betrachtung der Lage. Die Kommunen sind weitgehend pleite. Sie haben das Geld nicht für den Ausbau von Krippen. Der Bund wird es ihnen kaum geben können. Es ist ehrlicher, das einzugestehen, als heuchlerisch auf die Zukunft zu verweisen, in die man angeblich mit dem Krippenausbau investiere. Die Investition wäre nur dann zukunftsorientiert, wenn sie den Kindern nützte, nicht nur den Betrieben. Das kann man bezweifeln. Erstens fehlt das Personal für eine kindgerechte Betreuung und zweitens ist für das künftige Personal der zusätzlichen 500 000 Krippenplätze keine fachliche Ausbildung vorgesehen. Man bräuchte für diese rund 100 000 zusätzlichen Erzieherinnen ja Fachhochschulen oder Ausbildungsorte. Aber in keinem Budget eines Landes oder des Bundes ist ein Posten dafür vorgesehen. Auch nicht für die Hälfte, was dem wirklichen Bedarf entspräche, denn mit insgesamt 750 000 Krippenplätzen liegt man bei 65 Prozent der Kinder zwischen ein und drei Jahren. Ob 100 000 oder 50 000 neue Erzieherinnen: sie sind nicht da.

Und so werden mit den Krippen nur Parkplätze für die Kinder gebaut und das ist für die frühkindliche Bildung sogar schädlich, wie man aus der Bindungsforschung und der Entwicklungspsychologie weiß. Von diesen Erkenntnissen nahm schon Frau von der Leyen keine Notiz. Das ist kein kleiner Unterschied mehr, dieses Detail ist entscheidend. Der Ausbau der Krippen müsste von einer Qualitätsdebatte und den entsprechenden Investitionen in die Ausbildung der Erzieherinnen begleitet sein. Nichts davon ist zu sehen. lim