Der Wille zur Spitze

...kann einen in den Wahnsinn treiben oder in die Minderheitensituation

von Bernhard Huber

Weltspitze ist da, wo Spitzenleute hin wollen, und der Wille zur Spitze kann jeden befallen. Man muss seinen Mitmenschen nur etwas voraushaben, einen Weltrekord zum Beispiel, und wenn man keinen hat, macht man sich einfach einen. Dazu braucht man nur eine irrwitzige Idee. Immer wieder verhilft das größte Schnitzel der Welt zu einem in die Nachwelt hallenden Ruhm. Dafür werden tellergroße Schnitzel zu einem wahren Fleischteppich verbunden. Ist das anschließende Panieren noch vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen, so gleicht es einem logistischen Wunder, wenn dieses Schnitzel der Schnitzel die eigens angefertigte Riesenpfanne unbeschadet erreicht. Man kann aber auch einfach aufhören, sich die Fingernägel zu schneiden. Schon nach wenigen Jahren kann man seinen Lebenslauf mit einem Weltrekord schmücken.

Wer das nicht will, für den könnte das schnellstmögliche Verschlingen einer größtmöglichen Zahl von Hamburgern eine Alternative sein, was eine robuste Gesundheit voraussetzt. In den Olymp der Superlative geht ein, wer rückwärts läuft. Dazu ist nach aktuellem Rekordstand die Strecke von Santa Monica in Kalifornien bis Istanbul zurückzulegen. Besonders Verwegene versuchen sich allerdings in der Disziplin „Dauerfernsehen“. Hier gilt unsere Anteilnahme Herrn van Oeveren, dem aktuellen Rekordhalter, der es auf 86 Stunden brachte. Es entzieht sich unserer Kenntnis, wie es anschließend um den Gesundheitszustand von Herrn van Oeveren bestellt war. Schäden sind jedenfalls nicht auszuschließen. Das bestätigt jeder Selbstversuch – auch bei deutlich kürzerer Testzeit. Wer nach 15 Minuten Dieter Bohlen den Fernseher ausschaltet, ist übrigens auch spitze. Spitzenmäßig normal. Die spitzenmäßig Normalen füllen allerdings kein Rekordbuch. Kein Wunder: Es werden immer weniger.