Der Wechsel

Dass US-Präsident Obama die von seinem Amtsvorgänger Bush vor sieben Jahren durchgesetzte Beschränkung der staatlichen Förderung einer embryonenverbrauchenden Forschung mit einem einzigen Federstrich aufhob, war zu erwarten. Wer wie Obama menschliche Embryonen bloß für „potenzielles menschliches Leben“ hält, den stört allenfalls, dass diese in US-amerikanischen Reproduktionskliniken zu Tausenden in Tanks mit flüssigem Stickstoff lagern, statt einer Nutzen versprechenden Verwendung zugeführt zu werden.

Überraschen muss der Erlass des Präsidenten dennoch. Denn anders als vor sieben Jahren haben die meisten Forscher, die nach Therapien für bislang unheilbare Krankheiten suchen, den embryonalen Stammzellen längst den Rücken gekehrt. Nicht aus Gründen der Moral, sondern aufgrund des nicht beherrschbaren Krebsrisikos. Insofern ist Obamas Erlass vor allem ein symbolischer Akt. Mit ihm weist der neue US-Präsident all jene in die Schranken, die – anders als er selbst – eine embryonenverbrauchende Forschung aufgrund ethischer Erwägungen ablehnen. Und das sind in den USA nicht wenige Menschen. Da der gleiche Erlass zudem Ärzten verbietet, sich einer Abtreibung aus Gewissensgründen zu verweigern, sofern sie Bundesmittel erhalten, stellt sich Obama mit seiner Politik sogar gegen eine Mehrheit der US-Amerikaner, die heute überwiegend „pro-life“ eingestellt sind.

Im Wahlkampf vermittelte Obama noch rhetorisch geschickt den Eindruck, als wolle er eine unter Bush gespaltene Nation wieder einen. Nun zeigt er sein wahres Gesicht und setzt sich rücksichtslos über die ethischen Werthaltungen der Mehrheit seiner Landsleute hinweg. Aus dem „We can“ des Wahlkampfes ist ein „I can“ geworden. So sieht er aus – der Wechsel! reh