Der Papst in Auschwitz

Besuch des früheren deutschen Vernichtungslagers – Kreuzweg in Krakau. Von Stefan Meetschen

Ohne Begleitung von Leibwächtern schritt Papst Franziskus unter den Worten „Arbeit macht frei“ durch das Tor des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz. Foto: KNA
Ohne Begleitung von Leibwächtern schritt Papst Franziskus unter den Worten „Arbeit macht frei“ durch das Tor des ehemali... Foto: KNA

Krakau (DT) Am Freitag hat Papst Franziskus das frühere deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Der Papst durchschritt allein das Eingangstor des Lagers Auschwitz mit der berüchtigten Aufschrift der Nationalsozialisten „Arbeit macht frei“, um sich bald darauf an den Rand des Weges zu setzen und wie angekündigt in der Stille des Gebets zu verweilen.

Nach einer kurzen Fahrt mit einem weißen Elektroauto besuchte der Papst in Anwesenheit der polnischen Regierungschefin Beata Szydlo, die in der Stadt Auschwitz (polnisch: Oswiecim) zur Welt kam und deren Urgroßvater im Lager starb, den Bereich der sogenannten „Todesmauer“ zwischen den Blöcken 10 und 11 des Stammlagers, wo während der Zeit der Nazi-Besatzung Tausende von gefangenen Männern und Frauen erschossen wurden. Der Papst entzündete vor der Mauer eine Kerze. Dazu traf er zwölf Überlebende des Lagers, die er einzeln mit Wangenkuss begrüßte.

Eine lange Zeit des Gebets verbrachte Papst Franziskus in der Todeszelle des polnischen Franziskanerpaters Maximilian Kolbe (1894–1941). Auf einem einfachen Stuhl sitzend gedachte der Papst, der sich bekreuzigte, des Märtyrers, der vor genau 75 Jahren das Todesurteil wählte, indem er beim Appell der Gefangenen von Auschwitz freiwillig vor dem Lagerkommandanten heraustrat und darum bat, anstelle eines Familienvaters getötet zu werden. Am 14. August 1941 starb Pater Maximilian Kolbe im Vernichtungslager Auschwitz durch eine Phenolspritze. Er wurde im Jahr 1971 selig- und im Jahr 1982 heiliggesprochen.

Auch im früheren Vernichtungslager Birkenau betete der Papst in Anwesenheit vieler internationaler Gäste, darunter überlebende Lager-Insassen, vor dem internationalen Denkmal für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Als Zeichen des gemeinsamen Leids wurde der 130. Psalm „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir“ vom Oberrabbiner Polens, Michael Schudrich, auf hebräisch und von einem katholischen Priester auf polnisch vorgetragen.

Auch mit Familienangehörigen von 20 polnischen Katholiken, die während der Okkupation jüdische Mitbürger vor den Nationalsozialisten versteckten und für diese Hilfe als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden, traf der Papst in Birkenau zusammen.

Auf dem weiteren Programm des Papstes am Freitag, der ganz im Zeichen der Themen Schmerz und Leiden stand, war der Besuch eines Kinderkrankenhauses in Krakau sowie der Kreuzweg mit den Weltjugendtagsteilnehmern auf den Blonia-Wiesen. Der Verfasser der Kreuzweg-Reflexionen, die sich auf die vierzehn leiblichen und geistlichen Werke stützen, ist der Krakauer Weihbischof Grzegorz Rys. Nach Angaben des WJT-Ordnungsdienstes lag die Teilnehmerzahl bei 800 000 Jugendlichen.

Am heutigen Samstag besucht Papst Franziskus das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau-Lagiewniki. Dabei durchschreitet er auch die sogenannte „Pforte der Barmherzigkeit“. Im Heiligtum Johannes Paul II., das sich ganz in der Nähe befindet, feiert der Papst die heilige Messe mit polnischen Priestern, Ordensleuten und Seminaristen. Am Abend findet auf dem „Campus Misericordiae“ (Feld der Barmherzigkeit) in Brzegi bei Krakau die Vigilfeier statt. Im Anschluss daran ist ein ökumenisches Konzert mit dem Titel „Credo in Misericordiam Dei“ (Ich glaube an die Barmherzigkeit Gottes), bei dem auch die bekannte italiensche Schwester Cristina Scuccia auftritt.

Am Sonntag findet auf dem Campus Misericordiae die Abschlussmesse des Weltjugendtages 2016 statt, zu der bis zu zwei Millionen Teilnehmer erwartet werden. Danach wird der Papst, der sich am Sonntagnachmittag mit den freiwilligen Helfern des Weltjugendtags trifft, bekannt geben, in welcher Stadt der Welt der kommende Weltjugendtag stattfinden wird.