Der Gastkommentar: Wirtschaftskrise wird Schuldenkrise

Der französische Schriftsteller Alphonse Allais sagte einmal „Wenn der Reiche abmagert, verhungert der Arme“. Diese Weisheit könnte sich in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise leider bewahrheiten. Die Krise trifft Entwicklungs- und Schwellenländer unterschiedlich hart. Grundsätzlich gilt: Je stärker sich ein Land in die Weltwirtschaft integriert hat, indem es sich am internationalen Handel oder den internationalen Finanzmärkten beteiligte, desto mehr bekommt es nun die Schattenseite der Globalisierung zu spüren. Während sich insbesondere Schwellenländer in den letzten Jahren zu günstigen Konditionen auf den internationalen Finanzmärkten refinanzieren konnten, haben sich die Finanzierungsbedingungen seit Sommer 2008 durch das Gefrieren der internationalen Kreditmärkte dramatisch verschlechtert oder die Aufnahme neuer Kredite gänzlich unmöglich gemacht. Zudem haben Finanzinstitute und Anleger aus den Industrieländern aufgrund von Liquiditätsengpässen in großem Maße Kapital aus Schwellenländern abgezogen, was in vielen Ländern unter anderem zu einem Einbruch der Börsen- und Wechselkurse geführt hat. Der Abzug von Kapital hat insbesondere Länder hart getroffen, die ihr Wachstum die letzten Jahre über einen stetigen Zufluss von günstigem Kredit finanziert haben – wie zum Beispiel eine ganze Reihe von ost- und zentraleuropäischen Ländern, die baltischen Staaten, sowie Schwellenländer in Asien und Lateinamerika.

Anders stellt sich die Lage für viele der ärmsten Entwicklungsländer dar, die ohnehin keinen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten hatten. Ihre Zahlungsbilanz hat in den letzten Jahren oftmals von steigenden Exporteinnahmen profitiert. Diese Länder bekommen die indirekten Folgen der Krise über einen Rückgang ihrer Exporteinnahmen und somit ihres Wachstums zu spüren. Dies wird unweigerlich negative Konsequenzen für die Staatshaushalte vieler afrikanischer Staaten haben, die sich teilweise ohnehin schon in kritischem Zustand befinden. Die Situation vieler Entwicklungsländer, besonders in Subsahara-Afrika, ist also sehr ernst. Ohne an ihren Ursachen beteiligt zu sein, bedroht die Krise ihre weiteren Entwicklungsperspektiven. So wird die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele – wie die Bekämpfung extremer Armut und Hunger, die Erreichung vollständiger Primärschulbildung für Kinder und die Reduzierung der Kindersterblichkeit – durch die Krise bedroht und ohne externe Hilfe kaum möglich sein.

In ihrem Communiqué von Mitte November versichern die G20 Staats- und Regierungschefs, dass sie den Schwellen- und Entwicklungsländern im gegenwärtig schwierigen Finanzumfeld helfen werden, Zugang zu Finanzierung zu erhalten, unter anderem durch Liquiditätsfonds und Budgethilfe. Diesen Worten müssen nun Taten folgen.