Der Gastkommentar: Schwarz-Gelb wirft Fragen auf

Die Kirche sollte man im Dorf lassen. Natürlich ist es die Pflicht einer jeden Regierung, das Wohl des Landes und seiner Menschen im Auge zu haben. Zumal heute zu vermuten ist, dass es sich um eine schwarz-gelbe Regierung handelt, der man nahe steht. Aber wer weiß. Die alte Regierung hat das Maß für die berechtigte Erwartung an die mögliche Nachfolgeregierung festgelegt. In der Stunde nach „Lehman-Brothers“ kam es darauf an, unser Land nicht dem Erdboden gleichzumachen. Hier hatte die alte Regierung ihre Sternstunde. Mit der Kontengarantie wurden Merkel-Steinbrück zum Bestandteil meiner „Lebensversicherung“. An dieser Leistungsstärke muss sich jede neue Regierung messen lassen. Hoffentlich kommt beim Bürger nicht der Eindruck auf, mit dem seit Jahren gezielten Abgesang auf die „große“ Koalition sei etwas leichtfertig auf's Spiel gesetzt worden. Oder bewusst in Gang gesetzt, um über eine Koalition mit der FDP die „shareholder value“ Dimension des Leipziger Parteitages fern jeder sozial ausgeformten Marktwirtschaft doch noch erreichen zu können. Leipzig etwa auf bewusst angesteuerten Umwegen?

Wenn die Worte des heutigen Spitzenpersonals Sinn machen, stehen uns harte Zeiten erst bevor. Das würde über eine „große“ Koalition hinaus nach einer Notstandsregierung rufen und nicht nach einem Bündnis „schwarz-gelb“, das sich gezielt in sein „Lager“ zurückgezogen hat. Ein Bündnis wohlgemerkt, das bei vielen Menschen den Eindruck erweckt, die in der „großen“ Koalition geschaffenen und bisherige Gräben überspannenden Brücken hinter sich abgebrochen zu haben, wo es sich zwecks Vermeidung einer Spaltung der Nation und Radikalisierung – auf welcher Seite auch immer – um Ausbau hätte bemühen müssen. Ist deshalb die neue Regierung nur ein Durchgangsphänomen?

Wir sollten gewarnt sein. Wie wird die mögliche neue Regierung Europa und seine Werte sehen? Die beiden Partner eint ein anti-papistisches Band. Bei der CDU erkennbar in der Spitze, allerdings nicht bei der Mehrheit der Noch-Wähler. Bei den Liberalen ist das Tradition. Die Bande nach London sind enger als die nach Rom.

Eine CDU/CSU-FDP-Regierung wirft viele Fragen auf. Wir alle haben nicht die Muße, lange auf Antworten zu warten. Weder aus den vorgenannten Gründen noch wegen des beachtlichen „Flügelstatus“ der Partei „Die Linke“. Viele beschleicht die Ahnung, dass uns die bemerkenswert erfolgreich umgesetzte Strategie für eine neue Koalition mit einer aufstrebenden und von vielen Seiten mit Wählerstimmen genährte „Linke“ den Geistern der vor 20 Jahren untergegangenen DDR nähergebracht haben könnte, als uns allen lieb sein könnte. Diesmal aus freien Stücken und für ganz Deutschland.