Der Gastkommentar: Obamania auch bei uns

Es herrscht Obamania – auch bei uns. Viele in Deutschland hoffen auf einen Sieg des demokratischen Bewerbers Barack Obama im US-Präsidentschaftswahlkampf. Ihm ist gelungen, was auch für uns beispielhaft sein könnte: Barack Obama steht für eine neue politische Kultur. Er versteht, millionenfach zu begeistern und eine Stimmung zu erzeugen, die den Menschen den Glauben an Politik zurückgibt.

Was ihm in den USA geglückt ist, könnte auch weltweit Erfolg haben. Die USA leiden an einem Mangel an Glaubwürdigkeit, Zustimmung und Sympathie. Es könnte Obama gelingen, das Ansehen und damit die Softpower der USA wieder zu erhöhen. Sie ist die entscheidende Voraussetzung für den Einfluss Amerikas in der Welt und die Überwindung internationaler Spaltungen. Dies wird die wichtigste Aufgabe des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten sein. Gegenüber McCain hätte Obama hier einen Vorteil.

Ein Wechsel im Weißen Haus bietet die Chance auf einen Neuanfang sowohl in den transatlantischen Beziehungen wie auch zur Beseitigung internationaler Krisenherde. Wir dürfen uns bei Obama und bei McCain auf eine Intensivierung des transatlantischen Verhältnisses, auf mehr Multilateralismus, Konsultationen und Kooperation, aber auch auf mehr Erwartungen an unser Engagement einstellen. Das könnte sich auch in der Forderung nach einem größeren Beitrag zum wirtschaftlichen Aufbau im Irak und im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik äußern. Ein Mehr an Multilateralismus bedeutet für Europa und Deutschland ein Mehr ein Einfluss. Größere Mitsprache können wir aber nur dann für uns reklamieren, wenn wir anerkennen, dass es in unserem eigenen Interesse ist, einen Beitrag zur internationalen Sicherheit zu leisten.

Barack Obama hat erklärt, er wolle auch mit schwierigen Staaten das Gespräch suchen. Damit sieht er Kontakte nicht mehr als Belohnung für Wohlverhalten, sondern als Möglichkeit, Verhalten positiv zu beeinflussen. Ich schätze diese Haltung. Sie ist eine wichtige Voraussetzung, um die verschiedenen Konflikte im Nahen Osten einer Lösung näherzubringen.

Führung kann nur wahrnehmen, wer die eigenen Forderungen an Maßstäben orientiert, die für alle gelten und Multilateralismus unter dem Gebot der Fairness praktiziert. Unter dieser Maxime könnte Barack Obama Amerika viel Glaubwürdigkeit zurückbringen.