Der Gastkommentar: Mehr Sachlichkeit wäre angebracht

Freiburger Theologen haben eine scharfe Erklärung zu den Vorgängen um die Zurücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe veröffentlicht. Die Erklärung wurde vom Fakultätsvorstand verfasst und den übrigen Kollegen sehr plötzlich vorgelegt. Man konnte sich nur innerhalb kurzer Zeit, ohne dass der Text diskutiert hätte werden können, entscheiden, ob man unterzeichnen wollte oder nicht. Einen Text aber, der von Kollegen für Kollegen verfasst wird und nicht diskutierbar ist, unterschreibe ich nicht.

Auch ich verstehe das „Drehbuch“ des Vatikans in dem genannten Fall nicht. Ich verstehe auch nicht, warum Bischof Williamson nicht weiterhin exkommuniziert sein soll. Ganz im Gegenteil, jeder Bischof, Priester oder Theologe, der den Holocaust leugnet, sollte exkommuniziert werden. Was mich aber bei der Erklärung von Freiburger Theologen stört, ist der massive Ton, der darin angeschlagen wird und der dem Papst nicht gerecht wird. Bei aller berechtigten Kritik an Rom wäre für Theologen mehr Sachlichkeit und Differenziertheit angebracht.

Immer wieder kommt man in der augenblicklichen Auseinandersetzung auf das II. Vatikanische Konzil zu sprechen. Dieser Bezug ist wichtig. Ich könnte mir ohne den Hintergrund des II. Vatikanums meine Tätigkeit als Pastoraltheologe nicht vorstellen. Der jeweilige Bezug auf das Konzil leidet allerdings nicht allzu selten darunter, dass das letzte Konzil keine Definitionen vornahm, was ihm auch die Bewertung „Pastoralkonzil“ einbrachte. So mancher Theologe oder auch Bischof greift nun gerne in die Konzilstexte, um die ihm genehmen Passagen herauszuholen und so seine eigenen Ansichten und Meinungen zu untermauern. Die weniger genehmen Texte dagegen lässt man gerne unberührt in der Konzilskiste liegen. Es wäre einmal interessant zu erheben, wie viele Theologen bei uns zu allen Aussagen des Konzils stehen.

Um die aufgeheizte Atmosphäre wieder zu beruhigen, sollte aus der Gemengelage aus Aufgebrachtheit und Erregung, die oft auch von verdeckten Interessen hervorgerufen werden kann, etwa nach dem Motto „Was ich dem Papst schon immer sagen wollte“, wieder auf die Ebene sachlicher Auseinandersetzung kommen. Hilfreich ist es diesbezüglich zu wissen, dass unter guten Freunden (zum Beispiel Christen und Juden) eine Beziehung selbst dann hält, wenn sachliche Differenzen auftreten. Dem Papst Antijudaismus vorzuwerfen, ist jedenfalls barer Unsinn.