Der Gastkommentar: Doppelt Vorsorge treffen

Zur Regelung von Patientenverfügungen ist nun ein zweites Konzept vorgelegt worden. Das erste, welches dem Bundestag schon seit Monaten vorliegt, war stark „autonomie-zentriert“. Der neue Entwurf aus den Reihen einer überparteilichen Abgeordnetengruppe setzt dagegen auf höhere formale Hürden und Kontrollmechanismen, wie notarielle Beurkundung, Nachweis der ärztlichen Beratung und regelmäßige Bestätigung durch den Verfasser. Da es beim Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen sprichwörtlich „um Leben und Tod“ geht, ist dieser „fürsorge-orientierte“ Ansatz grundsätzlich zu begrüßen. Ob sich nun der eine oder der andere Entwurf im Parlament durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, wird für die meisten Menschen in diesem Land doch alles beim alten bleiben: sie werden – wie die Erfahrungen anderer Länder zeigen – keine Patientenverfügung machen und damit keine „Vorsorge“ für eine „selbstbestimmtes“ Sterben treffen. Man mag das begrüßen oder bedauern, als Faktum wird man es hinnehmen müssen. Patientenverfügungen sind nun mal nicht die Patentlösung für den Umgang mit Sterben und Tod. Sie sind lediglich geeignet, Maßnahmen zu begrenzen und damit einer unbarmherzigen Apparatemedizin entgegenzuwirken. Aber wäre das nicht ohnehin Aufgabe unseres Gesundheitssystems? Schließlich sollten alle Menschen menschenwürdig sterben können, auch dann, wenn sie keine Patientenverfügung verfasst haben.

Wie lässt sich aber ein „menschenwürdiges Sterben“ sicherstellen? Da man künftige Entwicklungen ohnehin nicht in jedem Detail voraussehen und damit auch nicht „vorausentscheiden“ kann, sollte vor allem dafür Sorge getragen werden, dass der Patient von einer Vertrauensperson vertreten wird, wenn er selbst nicht mehr entscheiden kann. Gerade als Christ sollte man daher rechtzeitig eine solche Vertrauensperson suchen und mit einer Vollmacht ausstatten. Auf diese Weise kann am ehesten sicher gestellt werden, dass immer die aktuell beste Entscheidung für den Patienten getroffen wird.

Noch wichtiger ist es, der Vorsorge für das Ende des irdischen Lebens, auch die Vorsorge für den Beginn des ewigen Lebens folgen zu lassen. Der Tod ist schließlich nur ein Übergang. Wirklich wichtig ist es doch, „Schätze im Himmelreich“ zu sammeln. Wir wissen weder den Tag noch die Stunde, also müssen wir immer vorbereitet sein, unserem Schöpfer gegenüberzutreten – auch ohne Verfügung und notariellen Stempel!