Der Gastkommentar: Das Gefährliche an Lafontaine

Lafontaines Botschaft ist für Deutschlands Zukunft gefährlich, weil er die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts schlicht negiert. Er gaukelt den Menschen ein Deutschland vor, in dem sich praktisch nichts ändern muss. Wenn nur mehr von den Reichen zu den Armen verteilt werden würde, könnte man bequem und ohne große Anstrengungen ein angenehmes Leben führen. Nur die gierigen Bosse, die Reichen und die Kapitalisten verhindern diesen Traum vom kleinen Paradies außerhalb des abgelehnten Prozesses der Globalisierung.

Lafontaine verkauft diese These wider besseres Wissen einer zum Teil gläubigen Zuhörerschaft. Er selbst weiß ganz genau, mit welchem Tempo heute neue Technologien, neue Produkte und neue Leistungen das Ranking der Nationen und Kontinente bestimmen. Er stärkt den falschen Glauben seiner Anhänger, die Realität des 21. Jahrhunderts könne durch Abstimmungen und Programme weggezaubert werden. Zechensterben im Saarland müsse nicht sein, Rentenalter solle reduziert werden, billige Produkte müssten an den Grenzen gestoppt werden, was in China, Indien und Japan geleistet wird, interessiere nicht.

Ein Deutschland, das einem solchen Programm folgen würde, müsste innerhalb kürzester Zeit weltweit zurückfallen. Mit immensen, alle Bürger treffenden Konsequenzen: weniger Export, neue Arbeitslosigkeit, keine neuen innovativen Energiesparprojekte. Eine sinnvolle Zukunftsbewältigung für Deutschland – ein Land ohne Rohstoffe – kann nur durch Entfesselung der besten Kräfte, der Zugpferde, ja der besten Ingenieure und Forscher und durch eine breite Bildung für alle erreicht werden. Fordern und Fördern heißt die richtige Antwort. In diesem Sinn bleibt unstrittig die Notwendigkeit der Förderung der Schwächeren, der Alleinerziehenden, der Familien und der in Not geratenen Mitbürger. Aber diese Verpflichtung des Sozialstaates hat nichts zu tun mit dem von Lafontaine angestrebten Versetzen aller Maßstäbe nach unten. Die Maßstäbe werden heute in den meisten Bereichen durch eine klein gewordene, vernetzte Welt und nicht mehr national gesetzt.

Weil es immer Menschen geben wird, die gerne glauben möchten, dass durch „mehr Gerechtigkeit“ eigene Anstrengungen unnötig werden, dass die Globalisierung wie eine Schlecht-Wetter-Front vorüberzieht, hat Lafontaine seine Anhänger. Eine Umsetzung seiner Politik würde Deutschlands Abstieg und Niedergang bedeuten.