Der Faustkeil als Instrument der Bildungspolitik

Viele können die Waffen bedienen, deren Bedienungsanleitung sie nicht lesen können

Von Stephan Baier

Wir wissen nur dass, nicht aber womit Kain seinen Bruder Abel erschlug. Gesicherter Forschungsstand dagegen ist, dass der Faustkeil in Europa seit mindestens 900 000 Jahren benutzt wird, in Afrika sogar seit 1,5 Millionen Jahren. Und zwar nicht nur als Werkzeug, sondern auch zur sogenannten „präventiven Friedenspolitik“ und finalen „bilateralen Streitbeilegung“.

Seit jener Zeit hat sich in Wissenschaft und Bildung vieles getan, was unter dem Aspekt der Ambivalenz des Fortschritts zu erörtern wäre. Statt des Kalten Krieges, dessen Ende vor 20 Jahren wir in diesen Tagen feiern, und an den sich ob seiner Übersichtlichkeit noch viele voll Nostalgie erinnern, haben wir heute weltweit mehr als 300 Kriege, Bürgerkriege, militärische Krisen und Konflikte. Das macht die Faustkeil-Politik enorm kompliziert. Wenn etwa im Jemen schiitische Houthi mit der sunnitischen Regierung in Krieg geraten, kann das im Zeitalter der Globalisierung nicht egal sein, weil Jemen am Golf von Aden liegt, wo somalische Piraten westliche Schiffe zu kapern geruhen. Unterstützt man also die jemenitische Regierung, die vom sunnitischen Terror-Financier Saudi-Arabien gestützt wird? Oder die Rebellen, die vom schiitischen Terror-Financier Iran gefördert werden? Oder beide Seiten, weil man ja nicht weiß, wie die Sache ausgeht? Solch komplizierte Fragen führten dazu, dass die Taliban trotz ihrer Steinzeit-Ideologie dank amerikanischer Hilfe heute hochkomplexe Waffen bedienen und sogar deren Anleitungen lesen können.

Eine Art offensiver Bildungspolitik also. An ihrer Spitze marschieren nach wie vor die USA, die trotz Wirtschaftskrise 68,4 Prozent des weltweiten Waffenhandels mit einem „Wert“ von 37,8 Milliarden US-Dollar abwickeln. Angesichts des von der UNO proklamierten Internationalen Alphabetisierungstags sei dies hier gewürdigt.