Der Druck der Caritas zeigt Wirkung

Kollekten-Konflikt: Sammelverbot für 1000plus/Pro Femina auch in Rottenburg-Stuttgart. Bischof Fürst weitet Kritik aus. Aufiero weist Vorwürfe zurück

Lebensschutz in der Kritik: Sammelverbot nun auch in Rottenburg-Stuttgart. Foto: KNA
Lebensschutz in der Kritik: Sammelverbot nun auch in Rottenburg-Stuttgart. Foto: KNA

Würzburg (DT/Re) Offenbar gibt es derzeit in mehreren Bistümern Bestrebungen, das vom Deutschen Caritasverband geforderte Unterstützungsverbot für die private Lebensschutzinitiative 1000plus/Pro Femina e.V. auf diözesaner Ebene umzusetzen. Darauf deuten Schriftwechsel und Telefonate von Pfarrern mit Diözesancaritasverbänden beziehungsweise Generalvikariaten hin. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhart Fürst, ein faktisches Werbe- und Sammelverbot für sein Bistum erlassen.

In einem an den Vorstand von 1000plus/Pro Femina e.V. gerichteten, von ihm persönlich unterschriebenen Brief teilt Bischof Fürst mit, er habe sich entschlossen, den Kirchengemeinden des Bistums Rottenburg-Stuttgart „von einer Unterstützung der Aktion 1000plus abzuraten“. Damit ist Rottenburg-Stuttgart das vierte Bistum nach Augsburg, Speyer und Freiburg, in dem die Sammelaktionen mit Babyflaschen von 1000plus/Pro Femina faktisch untersagt sind. Wie diese Bistümer verweist auch Fürst in seinem Schreiben auf die bestehenden bistumseigenen Beratungsangebote. Darüber hinaus übt der Bischof von Rottenburg-Stuttgart Kritik an der 1000plus-Werbekampagne „Lebenspotenziale – Weil jeder fehlt, der nicht geboren wird“. In seinem Brief fragt Fürst, ob die Leben von Kindern, die krank oder mit Behinderung geboren würden, „weniger schützenswert“ seien als „hochbegabte, perfekte Kinder“. Der Bischof beklagt zudem mangelnde Transparenz in der Verwendung der Spendengelder und hebt hervor, unangemeldete Spendenaktionen seien ohne vorherige Prüfung und Zustimmung der Bistumsleitung nicht gestattet. Weiter kritisiert der Bischof, der Verein habe „zu keinem Zeitpunkt den persönlichen Kontakt“ zu ihm gesucht.

In einer Stellungnahme weist 1000plus/Pro Femina die Kritik von Bischof Fürst zurück. Trotz der inständigen Bitte des Vereins vom 26. März 2014 hätte es keine Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Bischof gegeben, so der Vorsitzende des Vorstandes von 1000plus/Pro Femina, Kristijan Aufiero. Bestürzt zeigte sich Aufiero über die Kritik des Bischofs an der„erfolgreichen Werbekampagne unseres Vereins“. Auf Plakaten und in Anzeigen werbe 1000plus/Pro Femina – bewusst positiv – für den Lebensschutz, so Aufiero. Dazu werden fröhliche Babygesichter mittels Fotomontage in ihren späteren Berufen abgebildet. „Die Verantwortlichen von Pro Femina e.V. stellen klar, dass wir jedes Kind als lebens- und liebenswert erachten und dass wir jeder verzweifelten Schwangeren ohne Ansehen von Herkunft, Konfession oder der Art ihrer Beziehung wertschätzend begegnen und sie mit der Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind beraten“, betont Aufiero. Mit Blick auf den Hinweis des Bischofs, Spendenaktionen seien ohne vorherige Prüfung und Zustimmung der Bistumsleitung nicht gestattet, heißt es in der Stellungnahme von Pro Femina, kein Pfarrer habe bisher auf die Notwendigkeit einer solchen bischöflichen Erlaubnis hingewiesen. Dieses Argument sei überraschend, da sich gerade katholische Gemeinden in beispielhafter Weise umfangreich und großzügig an vielfältigen privaten Projekten und Initiativen in der ganzen Welt mit Aktionen und Sammlungen beteiligen würden.

Auch den Hinweis des Bischofs auf mangelnde Transparenz in der Verwendung der Spendengelder weist Pro Femina zurück: „Wir stellen unseren Unterstützern unseren jährlichen Tätigkeitsbericht zur Verfügung. Dieser beleuchtet auch die Verwendung der Spendengelder. Da unser Tätigkeitsbericht neben diesen Informationen auch andere sensible Daten enthält, haben wir bisher bewusst darauf verzichtet, ihn online zur Verfügung zu stellen“, heißt es in einer im Internet veröffentlichten ausführlichen Stellungnahme von Pro Femina zum Sammelverbot in Rottenburg.

„Angesichts des klaren Zeugnisses von Weihbischof Thomas Maria Renz, der als Mitglied der Rottenburg-Stuttgarter Bistumsleitung unsere Beratung und Hilfe sehr gut kennt und schätzt, hat uns die Entscheidung von Bischof Dr. Fürst in besonderer Weise überrascht“, hebt der Vorstand von Pro Femina in dieser Stellungnahme, hervor. Tatsächlich hatte sich der Weihbischof von Rottenburg-Stuttgart, Thomas Maria Renz, noch vor kurzem öffentlich für die Initiative 1000plus/Pro Femina stark gemacht. In einem Beitrag für diese Zeitung hatte Renz hervorgehoben, das Engagement von 1000plus/Pro Femina stehe „voll und ganz im Einklang mit der Lehre der katholischen Kirche“. Renz sprach sich gegen Konkurrenzdenken im Lebensschutz aus und machte sich angesichts der bleibend hohen Abtreibungszahlen für einen gemeinsamen, sich ergänzenden Einsatz aller Kräfte stark. In einem Brief hatte Renz zudem Kritik am Drängen des deutschen Caritasverbandes auf ein Sammelverbot für 1000plus/Pro Femina geäußert. Mit seiner Sichtweise war Renz in der Bistumsleitung offenbar isoliert. Derzeit befindet sich der Weihbischof auf einer mehrwöchigen Pilgerreise.

In einem Schreiben an alle Diözesan-Caritasdirektoren hatte der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes dazu aufgerufen, auf die jeweiligen Bistumsleitungen einzuwirken, um ein Werbeverbot für 1000plus/Pro Femina zu verhängen (siehe DT vom 13. Mai). Aufiero bekräftigte gegenüber dieser Zeitung erneut: 1000plus/Pro Femina verstehen seine Tätigkeit als „subsidiäre Ergänzung zu den offiziellen Beratungsangeboten der katholischen Kirche. Die Tatsache von über 100 000 Abtreibungen jährlich in unserem Land betrachten wir als Daseinsberechtigung, mit unserer innovativen Internetberatung neben anderen Beratungsorganisationen tätig zu sein.“