Politik

„Den Samen der Revolution pflanzen“

Emails belegen anti-katholische Einstellungen wichtiger Mitarbeiter Hillary Clintons – Viele US-Katholiken sind empört. Von Oliver Maksan

DNC in Philadelphia 2016
John Podesta. Foto: dpa

Inmitten all des Schmutzes, den der amerikanische Wahlkampf derzeit hochwirbelt, könnten einige geleakte Emails fast untergehen, die jetzt bekannt wurden und ein grelles Licht auf das Verhältnis von Hillary Clintons Umfeld und ihr Verhältnis zur katholischen Kirche werfen. Aus einigen Emails aus dem Jahr 2012 geht hervor, wie der Chef von Clintons Wahlkampagne, John Podesta, half, reform-katholische Gruppen zu gründen und zu unterstützen. Podesta, Bill Clintons letzter Stabschef im Weißen Haus und enger Vertrauter der Clintons, wollte dadurch eine „Revolution“ in der katholischen Kirche in Gang setzen helfen.

In den von der Enthüllungsplattform „Wikileaks“ jetzt veröffentlichten Emails geht es um eine Kommunikation zwischen Podesta und dem Obama-Vertrauten Sandy Newman, der zum damaligen Zeitpunkt der progressiven Denkfabrik „Voices for Progress“ vorstand. Newman schreibt Podesta, dass die „Katholiken selbst ein Ende der mittelalterlichen Diktatur und den Beginn von ein wenig Demokratie und Respekt für die Geschlechter-Gleichheit in der katholischen Kirche“ wollten. Es gehe darum, den Samen der Revolution zu pflanzen. Podesta erwidert, dass er daran arbeite. Man habe „Catholics in Alliance for the Common Good“ gegründet. Dabei handelt es sich um eine reform-katholische Gruppe, die sich besonders im politischen Bereich engagiert. Gründer der Organisation war 2005 Tom Periello. Präsident ist Fred Rotondaro. Beide sind Mitarbeiter der von Podesta gegründeten linksliberalen Denkfabrik „Center for American Progress“. Podesta nannte im Schriftverkehr mit Newman auch eine weitere Organisation, die er zu gründen half, „Catholics United“. Diese verurteilt US-Bischöfe, die Politiker nicht zur Kommunion zulassen, weil sie sich für die Legalisierung der Abtreibung einsetzen.

Der Präsident der konservativen katholischen Bürgerrechtsorganisation „Catholic League“, Bill Donohue, sagte in einer Stellungnahme, dass die aktive Rolle Podestas bei der Gründung der genannten Organisationen auch Hillary Clinton selbst zugerechnet werden müsse. Schließlich sei Clintons Kampagnenchef aktiv daran beteiligt gewesen, die katholische Kirche zu sabotieren. Wenn konservative Christen hingegen Spaltungen etwa innerhalb des Judentums oder des Islam befördern würden, indem sie falsche jüdische und muslimische Organisationen gründeten, gäbe es einen großen Aufschrei. Aber wenn linke Säkularisten die katholische Kirche beschädigen wollten, würden die Medien nur müde gähnen. Hillary Clinton habe nichts getan angesichts von Podestas anti-katholischen Aktivitäten. Sie sei eine Schande.

Für das Clinton-Lager unangenehm ist, dass es sich bei der Affäre um Podesta bereits um den zweiten Vorfall mit einer anti-katholischen Färbung handelt. Kurz zuvor schon waren Emails von Clintons aktueller Kommunikationschefin Jennifer Palmieri bekannt geworden, die sie mit John Halpin austauschte, einem Berater der Demokraten. Darin stellen die beiden Überlegungen an, warum manche Konservative den Katholizismus so überzeugend finden. 2011 schrieb Halpin: „Viele der mächtigsten Elemente der konservativen Bewegung sind alles Katholiken, darunter viele Konvertiten. Sie müssen angezogen werden von dem systematischen Denken und den äußerst rückständigen Geschlechterbeziehungen.“

Angesichts der Vorgänge sah sich sogar der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz selbst in der Pflicht zu reagieren. In einer Stellungnahme vom Donnerstag sagte Erzbischof Joseph Kurtz von Louisville, dass, wenn es wahr sei, dass es Versuche gegeben habe, das innerkirchliche Leben zu beeinflussen, dies beunruhigend sowohl für die Glaubensgemeinschaften wie für das Wohl des Landes sei. „Das Evangelium dient dem Gemeinwohl, nicht einer politischen Agenda“, so der Erzbischof. „Wir erwarten von staatlichen Offiziellen, dass sie das Recht der Menschen respektieren, ihren Glauben ohne staatlichen Einfluss zu leben. Wenn Glaubensgemeinschaften dieses Recht verlieren, dann ist die Idee davon, was es heißt, Amerikaner zu sein, verloren.“ Auch der katholische Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, reagierte ablehnend auf die Leaks. In einem auf der Seite des Erzbistums veröffentlichten Beitrag äußerte Chaput die Hoffnung, dass die Clinton-Kampagne die Emails verurteilen würde. „Es wäre wundervoll, wenn die Clinton-Kampagne den Inhalt dieser hässlichen Emails zurückweisen würde. Wir rückständigen Katholiken, die tatsächlich an die Schrift und die Lehre der Kirche glauben, wären so dankbar.“

Die Empörung blieb derweil nicht auf den kirchlichen Binnenraum beschränkt. Längst hat das Trump-Lager den Ball aufgenommen. Der Republikaner Mike Pence, Donald Trumps Kandidat für das Vizepräsidentenamt, rief am Mittwoch Hillary Clinton bei einer Wahlkampfveranstaltung dazu auf, die anti-katholischen Ausfälle ihrer Mitarbeiter zurückzuweisen.

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